1. Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin


    Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,

    ... trat an seinen Tisch, beugte sich vor und küsste ihn. Nur ihre Lippen auf seinen, ein leichter Druck, aber dennoch spürbar. Es war kein leidenschaftlicher Kuss, sondern einer voller Sehnsucht, eine stille Bitte um Nähe, um Vergebung, um das Alte wiederherzustellen. Ihre Hand legte sich sanft auf seinen Unterarm, eine Geste der Verbundenheit, die Bülent sichtlich verwirrte. Er zuckte leicht zusammen, seine Augen weiteten sich einen Moment.
    
    Fatma zog sich leicht zurück, ihre Hand blieb auf seinem Arm. "Ich hab dich vermisst, Bülent," flüsterte sie, ihre Stimme belegt vor Emotionen, die sie nicht länger zurückhalten konnte.
    
    Bülent erwiderte nichts. Seine Miene blieb undurchdringlich, seine Augen fixierten sie, suchten, forschten.
    
    Ein Funken Ärger blitzte in Fatma auf, mischte sich mit der überwältigenden Trauer. Sie ballte die Hand auf seinem Arm leicht zur Faust. "Hör auf mit dieser Farce, Bülent! Hör auf damit! Ich weiß ganz genau, dass du mich immer noch liebst. Genauso wie ich dich liebe!" Ihre Stimme wurde lauter, schneidender, die Verzweiflung mischte sich mit der Entschlossenheit.
    
    Bülent öffnete den Mund, wollte etwas sagen, doch Fatma ließ ihn nicht zu Wort kommen. Die Worte sprudelten aus ihr heraus, getrieben von der Angst, ihn endgültig zu verlieren. "Ich wäre ohne dich verloren, Bülent. Verstehst du das nicht? Jeder Atemzug würde mir schwerfallen, jeder Herzschlag würde mir Schmerzen bereiten. Ich kann nicht ohne dich sein." Ihre Augen füllten sich mit ...
    ... Tränen, die sie jedoch nicht zuließ, sie blinzelte sie weg.
    
    "Ich will, dass du mir eine Chance gibst," fuhr sie fort, ihre Stimme flehend, aber fest. "Ich weiß, dass du das Kind nicht akzeptieren kannst. Das verlange ich auch nicht von dir, Bülent. Das würde ich von niemandem verlangen. Aber... aber wir finden eine Lösung. Ich bin mir sicher. Ohne auseinanderzugehen. Das können wir nicht. Egal, was kommt. Aber ohne dich würde ich nicht leben können." Sie holte tief Luft, ihre Brust schmerzte. "Du musst mich jetzt auch zum Arzt begleiten. Kannst du... kannst du bis zur Geburt des Kindes den Gedanken, wer der Erzeuger ist, unberücksichtigt lassen? Kannst du das für uns tun?"
    
    Bülent saß da, wie erstarrt. Ihre Worte, ihre Nähe, die plötzliche Wucht ihrer Emotionen hatten ihn völlig überrumpelt. Er hatte die Nacht genauso schlecht geschlafen wie sie, seine Gedanken waren pausenlos bei seiner Familie, bei seiner Frau. Er hatte sich gefragt, wie es weitergehen sollte, wie er mit diesem unerträglichen Schmerz umgehen sollte. Die Liebe zu Fatma, die er versucht hatte zu verdrängen, brach nun mit voller Wucht über ihn herein. Ihr Kuss hatte ihn tief berührt, hatte eine Sehnsucht geweckt, die er schon fast vergessen glaubte.
    
    Ihre Bitte, ihre Verzweiflung, ihre unbedingte Liebe zu ihm - sie rührten ihn bis ins Mark. Er sah ihre Tränen, die sie so verzweifelt zurückhielt, die kämpferische Flamme in ihren Augen, die unter der Last des Leidens tanzte. Er hatte sie vermisst. Die ganze ...
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