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Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin
Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,
... kleines, unförmiges Wesen, das sich in ihr regte, ein winziger Herzschlag pulsierte rhythmisch. "Soweit ist alles in Ordnung", sagte Dr. W. beruhigend. "Auch die Größe entspricht ungefähr der richtigen. Es wird wohl ein großes Kind werden." Fatma sah das kleine Wesen und spürte die ambivalente Mischung aus Liebe und Abscheu, die sie seit Wochen begleitete. Es war ihr Kind, ihr Fleisch und Blut, und doch die lebende Erinnerung an das Trauma. Dann wandte sich der Arzt an Bülent. "Möchten Sie als Vater den Herzschlag sehen?" fragte er mit einem Lächeln. Ein plötzlicher Schock fuhr durch Bülent. Er zuckte unwillkürlich zurück, seine Hand, die Fatmas noch immer hielt, verkrampfte sich leicht. Der joviale Ton des Arztes verstummte. Dr. W. bemerkte es sofort, sein Blick wurde fragend, besorgt. "Sagen Sie", fragte er leise, seine Stimme nun ernster, "wollen Sie das Kind nicht?" Die Frage hing schwer in der Luft, eine unerwartete direkte Konfrontation mit der brutalen Realität. Bülent konnte nicht anders. Der Schock, der Schmerz, die Ohnmacht - all das brach aus ihm heraus. "Nein, Herr Doktor", sagte er, seine Stimme rau, beinahe tonlos. "Meine Frau... meine Frau wurde von ihrem Schwager mit einer Droge gefügig gemacht und dann... und dann verführt." Die Worte füllten den Raum, eine kalte, nackte Wahrheit, die alle Masken fallen ließ. Dr. W. staunte nicht schlecht. Seine Miene veränderte sich von milder Besorgnis zu tiefer Erschütterung. Er sah von Bülent zu Fatma, dann ...
... wieder zu Bülent, seine Augen suchten nach einer Erklärung, einem Verständnis für das Unglaubliche, das er gerade gehört hatte. Er war offensichtlich fassungslos. Nach einem Moment des Schweigens, das sich endlos anfühlte, fragte er leise: "Was gedenken Sie zu tun?" Bülent war der Erste, der antwortete, seine Worte waren direkt und unverblümt. "Ich kann das Kind nicht akzeptieren", sagte er, seine Stimme fest, aber seine Augen verrieten den tiefen Schmerz, der dahinterlag. Fatma war wesentlich vorsichtiger in ihrer Formulierung, ihre Stimme zitterte leicht, als sie sprach. "Wir können das Baby nicht behalten", sagte sie, ihre Hand strich unbewusst über ihren Bauch. Auch wenn sie es im innersten liebte, wusste sie, dass die Umstände es unmöglich machten, es in ihre Familie zu integrieren, ohne dass es sie alle zerreißen würde. Der Arzt dachte eine Weile nach, seine Augen wanderten zwischen den beiden hin und her, er wog ihre Worte ab, ihre Emotionen, ihre offensichtliche Verzweiflung. Dann, mit einem nachdenklichen Ausdruck, fragte er: "Haben Sie schon einmal an eine Pränataldiagnostik gedacht?" Fatma und Bülent blickten ihn fragend an, ihre Gesichter Ausdruck von Unverständnis. "Diese Untersuchungen dienen dazu, Fehlbildungen und schwere Behinderungen vor der Geburt festzustellen", erklärte Dr. W. ruhig. Fatma wollte ablehnen. Es hörte sich gefährlich an, eine potenzielle Gefahr für das Kind, das in ihr wuchs. Aber da hatte Bülent bereits gesprochen. "Wenn es keine ...