1. Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin


    Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,

    ... schwer zu verletzen. Schläge auf die Nieren, auf die Oberschenkel, auf die Rippen, aber so, dass keine Knochen brachen, keine dauerhaften Schäden entstanden. Nur Schmerz. Brennender, pochender Schmerz, der ihn zu Boden zwang. Er krümmte sich, versuchte sich zu schützen, aber es war sinnlos. Als er auf dem Boden lag, keuchend und zitternd, wurde er von den Wärtern entdeckt und in die Praxis, die Krankenabteilung des Gefängnisses, gebracht.
    
    Dort war immer eine Schwester, die die erste Hilfe übernahm und entschied, ob ein Arzt hinzugezogen wurde. Eine Frau trat auf ihn zu, Magda Kawulski, ihr Blick war hart, ihre Lippen zu einer dünnen Linie gepresst. Sie verband die blutenden Stellen an seinen Armen und Beinen, verrieb etwas Salbe auf den Prellungen. Doch sie ging dabei nicht sehr vorsichtig mit ihm um. Ihre Hände waren rau, ihre Berührungen schmerzhaft.
    
    Als sie ihn etwas härter anfasste, schrie Michael vor Schmerzen auf. Magda Kawulski sah ihn an, ein leichtes, fast unmerkliches Lächeln spielte um ihre Lippen. Ihre Augen, scharf und forschend, musterten ihn.
    
    "Stellen Sie sich nicht so an", sagte sie mit einem leichten slawischen Dialekt, ihre Stimme war rau und kühl. "Als Sie die Frau vergewaltigt haben, waren Sie bestimmt auch nicht gerade zart." Michaels Augen weiteten sich. Er starrte sie an, in diesem Blick lag eine Mischung aus Schock und Erkenntnis. Er sagte nichts, konnte nichts sagen. Aber ihm wurde klar, dass diese Hölle für ihn jetzt erst richtig zur Hölle ...
    ... werden würde. Die Bestrafung durch die Justiz war eine Sache, die stille, unerbittliche Rache der Gesellschaft, der Mitgefangenen, derjenigen, die von seiner Tat wussten, war eine ganz andere. Und sie würde ihn bis in die tiefsten Winkel seiner Seele verfolgen.
    
    Tülay: Ein Hauch von Normalität
    
    Während Michael in seiner Hölle litt, versuchte Tülay, ihr normales Leben wieder aufzunehmen. Sie ging ihrer Arbeit nach, konzentrierte sich auf die Routinen, die ihr einen Anschein von Stabilität gaben. Bülent hatte ihr geraten, jetzt nicht depressiv zu werden, sie sollte sich mit Freundinnen treffen, Spaß haben, das Leben genießen. "Flirte ruhig", hatte er gesagt, seine Stimme war sanft, aber bestimmt. "Das weckt die Lebensgeister. Du hast ein Recht auf Glück, Tülay." Seine Worte waren ein Balsam für ihre wunde Seele, eine Erlaubnis, wieder zu leben.
    
    Tatsächlich hatte sie sich mit ein paar Freundinnen verabredet. Sie wollten in die Innenstadt, ein wenig bummeln, in einem Café einen leckeren Espresso trinken. Eine ihrer Freundinnen, die immer für Überraschungen gut war, meinte sogar lachend: "Warum sollten wir nicht auch den einen oder anderen Prosecco trinken? Zum Wohl auf das Leben!" Tülay freute sich auf den Nachmittag, auf die unbeschwerte Gesellschaft, die Ablenkung. Doch tief in ihrem Inneren wusste sie nicht, ob sie sich wirklich darauf einlassen konnte, ob die Leichtigkeit, die sie nach außen tragen wollte, echt sein würde. Die Erinnerung an ihren Mann Michael, an das, ...
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