1. Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin


    Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,

    ... was er Fatma angetan hatte, legte sich wie ein Schatten über ihre Seele. Konnte sie wirklich lachen, flirten, wenn die Welt um sie herum so grausam war?
    
    Fatma und Bülent: Zerrissen zwischen Liebe und Trauma
    
    Bülent hatte Fatma zwar zugesagt, dass sie es wieder probieren könnten, ihre Ehe retten würden, aber seine Bedingung war und blieb, dass Fatma wusste, was mit dem Kind in ihrem Bauch passieren würde. Er würde es nicht einfach einem Heim überlassen, wo die Erzieher keine Zeit hatten, sich um jedes Kind individuell zu kümmern, wo viel in Gruppen gemacht wurde und auf Einzelschicksale leider nicht wirklich Rücksicht genommen werden konnte.
    
    Nein, das nicht. Er würde alles tun, um sicherzustellen, dass es eine vernünftige Familie bekam, liebevolle Adoptiveltern, die ihm ein Zuhause geben würden, das es verdiente. Aber bis dahin waren es noch mindestens sechs Monate. Sechs Monate, in denen das Kind in Fatmas Bauch wachsen würde, sechs Monate, in denen die Realität immer präsenter werden würde.
    
    Ihm war klar, dass Fatma hoffte, dass er seine Meinung mit der Zeit ändern könnte. Dass er das Kind vielleicht doch akzeptieren würde, wenn es erst einmal da war, wenn er es sah. Aber da irrte sie sich. Er würde jedes andere Kind aufnehmen und adoptieren, er hatte das schon oft gesagt. Aber dieses Kind, Michaels Kind - dieses Kind konnte er einfach nicht akzeptieren. Die Erinnerung an die Vergewaltigung, die Wut auf Michael, die Verletzung seiner Frau - all das war zu tief, ...
    ... zu schmerzhaft. Dieses Kind war für ihn ein lebendes Symbol des Horrors, der in ihr geschehen war.
    
    Dennoch war er stolz auf Fatma. Stolz, dass sie sich von diesem Trauma nicht einfach aus dem Leben ziehen ließ. Sie hatte gekämpft, war auf ihn zugegangen, hatte ihre Liebe zu ihm offenbart. Und er war auch kein allzu schweres Ziel gewesen. Seine Liebe zu ihr war zu stark, zu tief verwurzelt, als dass er sie hätte gehen lassen können. Die Nacht nach ihrem Gespräch im Café hatte er zwar immer noch schlecht geschlafen, aber die Gewissheit, dass sie kämpfen würden, dass sie es versuchen würden, gab ihm eine neue Hoffnung.
    
    Fatma spürte das Kind in sich, seine Bewegungen wurden deutlicher, präsenter. Eine Mischung aus Ehrfurcht und Abscheu durchzog sie jedes Mal, wenn das kleine Wesen sich regte. Sie musste Melissa und dem kleinen erklären, was da im Bauch der Mutter war. Aber wie sollte sie ihnen klarmachen, dass es kein Geschwisterchen für sie werden würde, weil er oder sie nach der Geburt in fremde Hände abgegeben werden würde? Bei diesem Gedanken schnürte sich das Herz von Fatma zu, ein eiskalter Griff der Angst und des Schmerzes. Die Vorstellung, dieses Wesen, das sie in sich trug, wegzugeben, war unerträglich, eine Grausamkeit, die sie sich selbst zufügen musste.
    
    Bülent, der gerade auf sie zukam, um sie zu fragen, ob sie etwas trinken möchte, sah, dass es ihr nicht gut ging. Ihr Gesicht war bleich, ihre Augen standen leer. Er lief sofort zu ihr, nahm sie in seine Arme, ...
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