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Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin
Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,
... hielt sie fest und beruhigte sie. Er strich ihr über den Rücken, flüsterte beruhigende Worte in ihr Haar. Als er fragte, was denn los sei, meinte sie nur, dass es wohl ein Krampf im Bauch gewesen wäre. Sie wusste nicht, wie sie ihm erzählen sollte, dass es die bloße Vorstellung war, ihr Kind wegzugeben, die sie so zerfetzte. Sie konnte es ihm nicht zumuten, seine Entschlossenheit zu zerbrechen, wenn sie selbst so zerbrechlich war. Je näher die Geburt kam, desto größer wurden die Fragezeichen bei Fatma. Die Ambivalenz nagte an ihr. Sie liebte dieses Kind, obwohl sie es hassen sollte. Sie wollte es beschützen, obwohl sie wusste, dass sie es weggeben musste. Es war ein Teufelskreis der Gefühle. Sie nahm sich fest vor, Tülay am nächsten Tag zu treffen. Sie musste mit ihr über all das sprechen, über die Ungewissheit, die Ängste, die Entscheidungen, die vor ihr lagen. Und auch darüber, dass sie wieder mit ihrem Mann geschlafen hatte, denn das Thema waren beide bisher aus dem Weg gegangen. Es war ein wichtiger Schritt, ein Schritt zur Heilung, zur Wiederherstellung der Normalität, die sie so sehr vermisste. Doch die Schatten der Vergangenheit waren lang, und der Weg in die Zukunft war mit Unsicherheiten gepflastert. Der Arzt hatte angerufen, er hatte Rücksprache mit dem Gefängnis gehalten, er würde eine Blutprobe erhalten, daher wären die Resultate erst in 3 bis 4 Tagen zu erwarten, weil er jetzt alles untersuchen lassen könnte. Auf die Frage, wie er es hinbekommen hat, ...
... sagte der Arzt nur, man kennt sich und dadurch kommt so etwas auf dem kleinen Dienstweg vor. Sie müssten sich keine Gedanken machen. Der Anruf und die quälende Ungewissheit Der Morgen nach dem Arztbesuch brach an, und mit ihm eine neue Welle der Anspannung. Fatma hatte kaum geschlafen, die Worte des Arztes und Bülents stille Verzweiflung hatten sie die ganze Nacht verfolgt. Um kurz nach neun klingelte das Telefon, und als Fatma die Nummer auf dem Display sah, beschleunigte sich ihr Herzschlag panisch. Es war Dr. W. Seine Stimme am Telefon war ernst, ungewohnt ernst. Er bat sie und ihren Mann um eine dringende Unterredung, wenn möglich noch am selben Tag, so schnell wie möglich. Fatma nickte stumm, obwohl niemand sie sehen konnte. Sie müsste eventuell Tülay absagen, mit der sie sich verabredet hatte, aber das wäre kein Problem. Das flaues Gefühl in ihrem Bauch wuchs zu einer regelrechten Panikattacke heran. Sie wusste es, sie spürte es. Etwas stimmte nicht mit dem Kind. Ihre Muttergefühle überrollten sie in diesem Moment mit voller Wucht. Sie wollte dieses Kind, auch wenn es eventuell behindert sein sollte, solange es lebensfähig war. Die Bindung, die sich in den letzten Wochen entwickelt hatte, war stärker als alle Rationalität, stärker als alle Ängste. Sie liebte es, dieses kleine Wesen in ihrem Bauch, bedingungslos. Tränen liefen ihr heiß über die Wangen, als Bülent sich am Telefon meldete. Er hörte ihr Schluchzen sofort. "Ist alles in Ordnung, Fatma? Was ist los?" ...