1. Lea und Niko - Das Experiment (Kapitel 7)


    Datum: 11.04.2026, Kategorien: Voyeurismus / Exhibitionismus

    ... eine ältere Bibliothekarin mit schmaler Brille und einem Ausdruck, der sowohl aus dem 19. Jahrhundert als auch aus dem Schulsekretariat stammen könnte. Sie bewegte sich leise, aber zielstrebig auf die beiden zu.
    
    Die Bibliothekarin blieb vor ihnen stehen, die Arme hinter dem Rücken verschränkt, als hätte sie eine unsichtbare Rute darin verborgen. Ihre Augen wanderten gemächlich von Niko zu Lea – einmal hin, einmal zurück – als prüfe sie, ob die beiden wirklich das waren, was sie zu sein schienen.
    
    „Ist das... ein Kunstprojekt?“ Ihre Stimme war leise, aber schneidend. So eine Stimme, die in der Stille einer Bibliothek weiterhallt als ein Megafon.
    
    Lea nickte sofort, obwohl ihr Körper am liebsten die Flucht ergriffen hätte. „Genau. Also, ja. Dokumentation eines gesellschaftlichen Experiments. Für eine Seminarreihe. Professorin... äh, Rauscher.“
    
    „Mara Rauscher“, ergänzte Niko. „Wir sollen urbane Reaktionen auf normabweichende Körperpräsenz analysieren. In Bildungsinstitutionen.“
    
    Ein Augenbrauenbogen der Bibliothekarin hob sich millimeterweise. Dann seufzte sie. „Ich will davon nichts wissen. Solange Sie sich ruhig verhalten, niemanden belästigen und niemand sich über Sie beschwert, toleriere ich Ihre Anwesenheit. Sobald eine Beschwerde eingeht, verlassen Sie das Haus. Haben wir uns verstanden?“
    
    Beide nickten sofort. „Absolut.“
    
    „Gut. Und Hände bitte desinfizieren. Auch… alle anderen Flächen, falls Sie irgendwo Platz nehmen.“
    
    Mit einem leichten Kopfschütteln ...
    ... drehte sich die Frau um und verschwand wieder zwischen den Regalen. Niko atmete hörbar aus.
    
    „Das war knapper als gedacht“, murmelte er.
    
    „Sie hat uns einfach... erlaubt zu bleiben“, sagte Lea ungläubig.
    
    „Dann mal los. Finden wir raus, was Mara will.“
    
    Sie begaben sich tiefer in die Bibliothek, ihre Schritte gedämpft vom dicken Teppichboden, der hier vermutlich schon Generationen von Studenten überdauert hatte. Zwischen den Regalen hing der typische Duft nach Papier, Staub und Geschichte. Die Luft war angenehm kühl – ein deutlicher Kontrast zur Sommerhitze draußen.
    
    „Wenn ich Mara wäre“, murmelte Niko, „würde ich irgendwas mit einem Rätsel machen. Irgendwas, das zu viel Aufwand ist.“
    
    Lea lächelte. „Du meinst wie eine Schnitzeljagd?“
    
    „Kryptische Botschaft. Ein halbes Gedicht. Irgendwas, was so tut, als wäre es intelligent.“
    
    Sie schritten durch die Reihen mit System. Zuerst durchquerten sie das Erdgeschoss – Philosophie, Psychologie, Soziologie. Es war alles nach Fachgebieten sortiert. Lea warf einen Blick auf die Beschilderung: „Sollen wir uns trennen?“
    
    „Lieber nicht“, sagte Niko. „Wenn du etwas findest, will ich das auch sehen.“
    
    Sie stiegen eine knarrende Holztreppe hinauf, vorbei an einem älteren Mann, der ihnen mit skeptischem Blick hinterhersah, als würde er überlegen, ob er doch zur Bibliothekarin zurückkehren sollte.
    
    Im ersten Stock waren die Regale schmaler, die Bücher kleiner, dichter gestapelt. „Literatur, Theaterwissenschaften... Kunst.“ ...
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