1. Durchschnitt Teil 1


    Datum: 28.04.2026, Kategorien: 1 auf 1,

    ... mich.
    
    "Aber ja. Gern." gab ich zurück.
    
    "Ich weiß wer Du bist, weil Du Deinen Namen an der Sprechanlage gesagt hast. Ich bin übrigens Elisa." "Freut mich Elisa Schrader." antwortete ich.
    
    "Oh, noch jemand, der lesen kann und aufmerksam ist. Was machst Du eigentlich beruflich?"
    
    "Ich arbeite in einem Ingenieurbüro und mache Tragwerksplanung."
    
    "Du machst was?"
    
    "Oh, Entschuldigung. Das kennt nicht jeder. Ich plane das Tragwerk von Gebäuden oder anderen Ingenieurbauten. Ich berechne also die Statik für die technischen Bauteile."
    
    "Hört sich interessant an. Ist es das auch?
    
    "Na ja, geht so. Vieles ist Routine und kommt immer wieder vor. Aber manchmal gibt es spannende Aufgaben. Und Du, was machst Du?"
    
    "Rate mal. Du hast ja anscheinend eine gute Beobachtungsgabe."
    
    Jetzt hätte ich eigentlich vorsichtig sein müssen. Aber ich war unaufmerksam und in meinen Gedanken nachlässig, weil ich ursprünglich den Termin sowieso nur als lästige Pflicht sah. So plapperte ich ohne nachzudenken drauf los: "Mmmmh, das ist nicht so einfach. Wenn ich zusammentrage, was ich weiß und was mir auffällt, bleibt nicht viel. Du bist total unauffällig und tauchst in der Masse unter. Das ist typisch für jemanden, der sich verstecken will. Du fährst ein durchschnittliches Allerweltsauto, kleidest Dich durchschnittlich und Deine Wohnung ist zumindest von außen auch durchschnittlich unauffällig. Also müsstest Du Auftragskillerin oder Geheimagentin sein. Oder, wenn es weniger kriminell ...
    ... ist, dann vielleicht so was wie eine verdeckte Ermittlerin."
    
    Elisa war stehen geblieben und sah mich völlig aufgelöst und erschreckt an.
    
    Ich hätte mir in dem Moment in meinen Allerwertesten beißen können, wenn ich dafür gelenkig genug gewesen wäre. Alternativ wäre im Boden versinken auch eine gute Lösung gewesen. Ich hatte allen Ernstes zu einer Frau, mit der ich verabredet war, gesagt, sie wäre durchschnittlich und unauffällig. Das darf man vielleicht denken, aber nie sagen. Hätte sie mir jetzt eine geknallt und wäre gegangen, wäre es okay gewesen. Sie stand aber immer noch wie versteinert da.
    
    Ich versuchte zu retten, was zu retten war und stotterte los: "Entschuldigung, das habe ich nicht so gemeint. Es sollte ein Scherz sein. Ich bin nicht so gut in so was. Es tut mir leid, wenn ich Dich beleidigt und als durchschnittlich bezeichnet habe. Das bist Du ganz und gar nicht."
    
    Elisa schien sich jetzt wieder zu entspannen und schaute mich nun interessiert an: "Also Du hast mich gerade als durchschnittliche graue Maus beschrieben. - Richtig? Jetzt sagst Du, ich wäre das ganz und gar nicht. Da bin ich jetzt mal gespannt, was Du in mir siehst. Außerdem schuldest Du mir noch eine Antwort auf die Frage, welchen Beruf ich habe. Sie grinste mich nun hintergründig-überlegen an. Ihr war absolut bewusst, dass sie jetzt wieder die Oberhand hatte und sie genoss es, mich auf kleiner Flamme zu rösten.
    
    Wie sollte ich jetzt aus dieser Situation rauskommen? Ich schwieg eine Zeitlang, ...
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