1. Johanna Morgenthau und die Suche nach dem Zimteis Kapitel 4


    Datum: 01.05.2026, Kategorien: BDSM

    ... Schlüssel, den er ihr gegeben hat bislang überall jedes Schloss geöffnet. Etwas, das bei den Angestellten absolut nicht der Fall ist. Hat er ihr tatsächlich einen Generalschlüssel anvertraut?
    
    Das Buch ist wunderschön. Es ist in Leder gebunden, das über die Zeit nachgedunkelt ist. Titel und Symbole auf dem Umschlag sind eingeprägt. Das Buch ist groß, etwa A3. Sie kann den Titel nicht lesen, sie kann streng genommen nicht mal die Buchstaben identifizieren – es sieht aus wie das inzestuöse Kind von griechischem und lateinischem Alphabet.
    
    Aber es fasziniert sie, das Buch zu betrachten. Es liegt in einem Stahlschrank hinter Panzerglas. Die Standuhr im Raum schlägt. Es ist vier. Vier Uhr heißt sie starrt seit drei Stunden dieses Buch an. Die Erkenntnis ist unwirklich. Nur dieses Buch – wie hypnotisiert.
    
    „Beeindruckend, nicht wahr?“ Johanna fährt vor Schreck aus ihrer Haut.
    
    „Oh, ich wusste nicht, dass die junge Dame so schreckhaft ist, Verzeihung.“
    
    Johanna fährt herum. Ein Mann steht hinter ihr. Vielleicht vierzig, dunkle Haare, gepflegt in einem vermutlich sündhaft teurem Anzug.
    
    Michael tritt hinzu: „Darf ich vorstellen: das ist Johanna Morgenthau, sie ist hier zu Gast bei mir und das ist Andrei van Pelten, ein Geschäftspartner von mir. Andrei, ich hole noch die Dokumente, mach es dir bequem.“
    
    Michael geht raus, Andrei hält ihr die Hand hin.
    
    „Sehr erfreut.“
    
    „Schön Sie kennenzulernen.“
    
    Andrei mustert Johanna. Sein Blick hat eine unwirkliche Intensität, ...
    ... nicht ungleich derer, die sie bei Michael spürt.
    
    „Nur noch wenige Familien haben so ein Grimoire. Noch dazu ein so altes. Es ist wirklich beeindruckend. Michael kann sich glücklich schätzen, dass es so gut erhalten ist. Ich wünschte, ich könnte ein Blick hineinwerfen. Würden Sie gerne ein Blick hineinwerfen?“
    
    Er macht einen Schritt auf Johanna zu. „Oder besitzen Sie vielleicht sogar selber eines?“
    
    Johannas Herz schlägt ihr bis zum Hals, ohne dass sie weiß warum. „Ich kann nicht einmal den Titel lesen.“
    
    „Nein? Ist das so? Wie lange stehen Sie hier schon? Wie lange betrachten Sie es schon, ohne zu wissen, warum?“
    
    Johanna schaut ihn irritiert an: „Woher …?“
    
    Er fährt fort: „Als ich diesen Termin gemacht habe, dachte ich, es würde nur um Geschäfte gehen, um ein paar Abmachungen mit Michael. Ich hatte nicht geahnt, hier eine so schöne junge Dame zu treffen. Wie direkt vom Himmel herabgestiegen.“
    
    Johanna schaut ihn etwas verlegen an. Dann nimmt sie seine Hand, die er auf den Kasten mit dem Buch gestützt hatte, hoch, betrachtet den Ring.
    
    „Reisen Sie alleine? Oder mit ihrer Frau? Weiß sie was Sie hier machen?“
    
    „Denken sie viel über die Ehefrauen von verheirateten Männern nach? Würden Sie sich gerne mit ihr vergleichen?“
    
    Er nimmt ihre Hand, hält sie länger als nötig. „Und Sie? Kein Ring?“
    
    Johanna antwortet: „Kein Ring. Ich bin ja auch jünger als Sie.“
    
    Dann überkommt sie etwas, als würde etwas von ihr Besitz ergreifen. Sie fährt sich mit den Fingern ...
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