1. Julias Weg - Kap. 1


    Datum: 06.05.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... und dachte wieder an Dilara. Dilara wirkte so frei und so unbeschwert. Sie war anders, sie tat, was sie wollte, wann immer sie es wollte. Julia fragte sich, ob sie auch jemals so frei sein könnte, so frei sein wollte.
    
    Wenige Minuten später kam die nächste Bahn, sie erreichte ihre Station und betrat den Platz, an dem der Ausländer sie vorhin alsSürtük bezeichnet hatte. Sie schaute sich um, der Platz lag weitgehend im Dunkeln. Schemenhaft konnte sie einige Personen erkennen, das aufglimmen ihrer Zigaretten, gedämpfte Gespräche in fremder Sprache.
    
    Sie beschleunigte ihren Schritt und erreichte den wartenden Bus. Um diese Zeit war Julia die einzige Passagierin, der Bus fuhr umgehend los und brachte sie aus diesem gefährlichen Teil der Stadt.
    
    „Nächster Halt Vahr Nord", klang es blechern aus den Lautsprechern. Sie drückte den Knopf, damit der Bus anhält und stand auf. Sie richtete ihren Rock und sah an sich herab. Ihr stieg sofort die Farbe ins Gesicht. Ihre Pumps hatten zahlreiche getrocknete Sprenkel. Sie ärgerte sich maßlos über sich selbst. Wie konnte sie sich nur so gehen lassen heute?
    
    Als Julia den Bus verließ, atmete sie die kühle Nachtluft tief ein. Sie ging in die kleine, ruhige Straße, in der sie wohnte. Ihre Füße taten weh von den hohen Schuhen.
    
    Sie betrat das Haus und verhielt sich leise, zog die Schuhe noch vor der Tür aus. Drinnen war alles dunkel und still. Jens schlief ganz sicher.
    
    Direkt am Eingang stellte sie ihre Schuhe ab und ging nach oben ins ...
    ... Ankleidezimmer. Dort zog sie ihre Jacke, den Rock und ihr T-Shirt aus, den BH warf sie in den Wäschekorb. Den Tanga behielt sie an und schlich sich ins Schlafzimmer, wo sie Jens leise atmen hören konnte und legte sich ins Bett.
    
    Julia dachte an Dilara's Vorschlag. Was wäre, wenn sie tatsächlich anfing, öfter rauszugehen? Vielleicht jemanden kennenlernte? Jens war immer so müde und sie fühlte sich in letzter Zeit, als ob sie in einer sexuellen Wüste herumirrte.
    
    Sie spürte wieder das Kribbeln zwischen ihren Beinen und legte ihre Hand in den Tanga, fühlte wie feucht ihre behaarte Muschi war. Sie fing an, schneller zu atmen. „Sürtük!", flüsterte sie ganz leise das Wort, das der Ausländer heute Abend benutzt hatte und das Dilara so oft gesagt hatte.
    
    Sie streichelte ihren Venushügel, wanderte tiefer. Würde sie in High Heels auch so fantastische Beine haben? Würde sie überhaupt darauf laufen können? Dilara trug keine Unterwäsche! Die Hitze stieg in Julia auf, sie stöhnte ganz leise.
    
    Sie war fasziniert von ihren Tattoos. Sie war neugierig, was der Barcode in Dilaras Nacken bedeutet. Irgendwann würde sie es hoffentlich erfahren.
    
    Dilara hatte auch angedeutet, dass sie Kerim irgendwann kennenlernen würde. Dass er auf blonde Frauen stand. Er war Türke. Ein Schauer fuhr durch ihren Körper, sie mochte keine Ausländer. Trotzdem zuckte ihr Unterleib leicht, sie musste ein weiteres Stöhnen unterdrücken. Was war nur los mit ihr?
    
    Plötzlich brummte ihr Telefon. Sie erschrak sich ...
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