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Julias Weg - Kap. 1
Datum: 06.05.2026, Kategorien: Romane und Novellen,
... und wartete kurz ab, ob Jens sich rühren würde. Als sie auf das Display schaute, stellte sie fest, dass es 01:24 Uhr war und eine Nachricht von Dilara eingegangen war. „Babe, ich hab grad...", stand dort in der Nachrichtenvorschau. Julia's Herz schlug schneller. Sie entsperrte das Telefon und öffnete die App. „Babe, ich hab grad krass gefickt!" Julia musste schmunzeln. Dilaras Date schien gut verlaufen zu sein. „Dann warst du aber nicht lange bei ihm." „Stunde, Baby!", schrieb Dilara. „Reicht. Fahr jetzt zu Kerim und schlaf. War geil heut mit dir." Julia freute sich darüber und lächelte. „Fand es auch schön. Gute Nacht, Dilara." „Sehen uns bei Arbeit nachher! N8!" Dilara schickte noch einen Kuss-Smiley hinterher. Julia legte das Telefon wieder beiseite und schlief sofort ein. Am nächsten Morgen war Julia völlig gerädert, als der Wecker um 06:30 Uhr klingelte. Sie hatte Kopfschmerzen und ihr Magen drehte sich. Jens war schon weg, er stand immer um 05:30 Uhr auf und fuhr dann in die Kaserne. Sie drehte sich noch ein paar mal hin und her, stand dann aber schließlich doch auf. Sie wollte nicht so spät bei der Arbeit sein. Im Badezimmer benutzte sie zuerst die Toilette, putzte sich die Zähne und schminkte sich wie immer sehr dezent. Im Ankleidezimmer legte sie einen BH an und entschied sie sich für eine enge Jeans, ein T-Shirt und einen dünnen Pullover. In der Küche kochte sie sich noch einen Kaffee und setzte sich dann wie jeden Morgen auf die ...
... Terrasse und rauchte eine Zigarette. Sie fühlte sich langsam etwas besser. Was Jens wohl sagen würde, wenn sie nachher nach Hause kommt. Hatte er mitbekommen, wann sie nach Hause kam? Gott er war so langweilig geworden. Der vergangene Abend hatte ihr wirklich Spaß gemacht, trotz der ärgerlichen Vorkommnisse auf der Hin- und dem peinlichen Vorkommnis auf der Rückfahrt. Ärger und Scham durchströmten sie gleichzeitig, als sie sich eine weitere Zigarette ansteckte. Ihren Kaffeebecher stellte sie danach in der Küche ab, bevor sie sich ihre Sneakers anzog und das Haus verließ. An der Tür standen die Pumps von heute Nacht. Die getrockneten Sprenkel von ihrem Urin waren nicht zu übersehen. Erneut überkam sie Scham, sie nahm sich vor, die Dinger nach der Arbeit sauber zu machen. Julia fuhr ein kleines Cabrio und machte sich auf den Weg zur Arbeit. Die Auffahrt zum Schnellweg war nicht weit entfernt und sie brauste bei lauter Musik Richtung Innenstadt. Sie ließ die asozialen Stadtteile rechts liegen, erblickte nur kurz den zentralen Platz an der U-Bahn-Station von gestern. Etwa 20 Minuten später parkte sie ihren Flitzer in der Tiefgarage der Versicherung und machte sich auf den Weg in ihr Büro. Obwohl von Büro nicht mehr im klassischen Sinne gesprochen werden konnte. Seit Corona arbeiteten viele Angestellte von zu Hause im Home Office. Die Arbeitgeber reagierten darauf mit einer Verkleinerung der verfügbaren Büroflächen, richteten Großraumbüros ein und feste Plätze gab es auch ...