-
Anastasia Serinskaya - Die Agentin Teil 1
Datum: 19.05.2026, Kategorien: Romantisch
... verstehen und winkt mir sogar noch übermütig zu. Langsam werde ich unruhig. Ich winke mit den Armen und deute auf die rechte Seite. Inzwischen ist mir klar, was nicht stimmt. Vor uns taucht ein Wasserfall auf. "Fahr sofort rechts ran!", wiederhole ich mich. Obwohl ich brülle, so laut ich kann, hört er mich offenbar nicht. Das Getöse des Wassers ist lauter als sonst, viel zu laut. Mich wundert, dass ihn das nicht stutzig macht. Ich beschleunige, was ich kann, und schließe allmählich zu ihm auf. Aber da sind wir schon gefährlich nahe an der Kante des Wasserfalls, der vor uns in die Tiefe donnert. Als Sam das endlich bemerkt, gefriert ihm das Lachen im Gesicht. Verzweifelt versucht er gegen die Strömung anzurudern, es hilft aber nur wenig. Scheiße, was mache ich jetzt? Ich sehe keinen anderen Ausweg, als in den Fluss zu springen, mein Boot an einem Stein notdürftig zu befestigen und zu ihm zu schwimmen. Ich gebe alles und erreiche ihn kurz vor der Kante, an der das Wasser mit viel Getöse in die Tiefe donnert. Der Wasserfall ist ganz schön hoch. Wenn wir da hinabstürzen, wäre es fraglich, ob wir überleben. Ich packe beherzt die kurze Kette an der Spitze des Kajaks und halte es daran fest, so gut ich kann. Wenn ich es jetzt nicht schaffe, sind wir beide weg. Mit letzter Kraft halte ich mich an einem größeren Stein fest. Das Kajak dreht sich um und die hintere Spitze ragt bereits über den Abgrund hinaus. "Komm vorsichtig zu mir!", fordere ich Sam ...
... auf. "Ich soll aussteigen?" "Ja, aber so, dass du dich an mir festhalten und zum Stein klettern kannst", fordere ich ihn auf. Er schaut mich äußerst unsicher an. Ein ängstlicher Blick hinaus über die Kante überzeugt ihn dann aber. Er klettert vorsichtig aus dem Boot, hangelt sich daran bis zu mir und schaut mich ratsuchend an. "Halte dich an mir fest, versuch auf meine andere Seite zu kommen und strecke deine Hand nach dem Stein aus. Versuch dort Halt zu finden und hochzuklettern", fordere ich ihn auf. "Das wird zu viel für dich!" "Nein, das schaffe ich. Wir haben keine andere Möglichkeit. Aber beeile dich!" Etwas skeptisch dreinschauend macht er, was ich ihm sage. Er hält sich an meinem Arm fest und hangelt sich daran bis zu meinem Körper und von dort aus an meinem zweiten Arm weiter, bis zum Stein. Ich muss die Zähne zusammenbeißen und zeitweise habe ich den Eindruck, dass ich es tatsächlich nicht mehr schaffe. Aber ich kralle mich mit aller Kraft am Stein fest und halte Gott sei Dank durch. Als Sam sich endlich am Stein festhält, kann auch ich mich näher heranziehen und das Boot mit Mühe zwischen zwei Steine klemmen. Wir klettern aus dem Wasser und bleiben auf dem Felsbrocken sitzen, um den herum der Wildbach tobt. Wir brauchen beide ein paar Minuten, um wieder zu Atem zu kommen. Dabei sagt keiner von uns beiden ein Wort. Es ist nicht die Zeit, darüber zu reden. Wir sind noch nicht in Sicherheit. Deshalb schaue ich mich suchend um, wie wir ans Ufer gelangen ...