1. Anastasia Serinskaya - Die Agentin Teil 1


    Datum: 19.05.2026, Kategorien: Romantisch

    ... hat Sam gemeint. So wie ich die Russen einschätze, ist es wohl eher eine Machtdemonstration.
    
    Trotzdem lasse ich das Treffen gelassen auf mich zukommen, auch wenn ich ganz schön aufgeregt bin. Ich bin auf dem Weg in den Kreml. Wenn mir das jemand noch vor wenigen Wochen gesagt hätte, ich hätte ihn für verrückt erklärt.
    
    Erneut werden wir von Polizisten auf Motorrädern eskortiert. Mit Blaulicht und Sirene verscheuchen sie alle, die auf den Straßen unterwegs sind, und wir haben freie Fahrt. Selbst im dichtesten Moskauer Stadtverkehr werden wir nicht eingebremst.
    
    "Das ist beeindruckend, dass alle ausstellen", sage ich.
    
    "Ich denke, wer sich weigert, kommt in ein Lager."
    
    "Darauf kannst du dich verlassen", bestätige ich.
    
    Es dauert nicht lange und wir fahren beim Kreml vor. Es muss ein Nebeneingang sein, denn ich kann den Roten Platz nicht sehen. Der Außenminister ist wohl nur über den Dienstboteneingang zu erreichen, überlege ich schmunzelnd.
    
    Unsere Kolonne hält an, wie steigen aus und werden von einem hoch dekorierten Mann empfangen. Er trägt eine Uniform und scheint wohl vom Geheimdienst zu sein.
    
    "Wenn mir die Herrschaften folgen würden", meint er emotionslos.
    
    Als er mich jedoch erblickt, erstarrt er sofort. Er fängt sich zwar schnell wieder, aber ich habe sein Zögern bemerkt. Allerdings ist mir im ersten Moment nicht klar, was dies zu bedeuten hat.
    
    "Ich denke die junge Dame bleibt beim Wagen", meint er. Oha, man mag mich hier nicht.
    
    "Dann steigen ...
    ... wir alle wieder ein", kontert Sam sofort. "Frau Serinskaya gehört zu meiner Delegation und genießt den Status einer Diplomatin."
    
    Sein Ton ist schneidig und ich kann ihm deutlich ansehen, dass er verärgert ist, sehr sogar. Um ehrlich zu sein, habe ich ihn so noch nie erlebt. Als er auch noch Anstalten macht, sich wieder umzudrehen, lenkt der Mann sofort ein.
    
    "Wenn das so ist. Kommen sie!"
    
    Er raunt einem anderen Mann etwas zu, der davoneilt. Dann führt er uns durch lange Gänge zu einem Konferenzraum. Dieser ist leer und wir werden aufgefordert, uns zu setzen.
    
    "Der Herr Außenminister kommt sofort", meint der Mann.
    
    Er wirft mir noch einen Blick zu, als wollte er mich mit Haut und Haar auffressen, dann aber dreht er sich um und verschwindet.
    
    "Sind die immer so unfreundlich?", frage ich.
    
    "Beste Freunde waren wir noch nie, aber das heute hat alles in den Schatten gestellt, was ich je erlebt habe", grinst Sam.
    
    "Das liegt dann wohl doch an mir", antworte ich belustigt. Auch Sam lächelt mich an.
    
    Ich bin froh, dass er schon wieder lachen kann. Wir setzen uns an den Tisch, warten aber nur kurz. Wenige Minuten nach uns betritt der russische Außenminister mit Begleitern den Raum.
    
    "Herr Peterson, seien sie mir gegrüßt", meint er und streckt Sam die Hand entgegen.
    
    "Herr Labradorov, ich danke für die Einladung. Darf ich ihnen meine Beraterin und Freundin, Frau Serinskaya vorstellen."
    
    "Willkommen", meint Labradorov nur in meine Richtung. Freundich ist der ...
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