1. Anastasia Serinskaya - Die Agentin Teil 1


    Datum: 19.05.2026, Kategorien: Romantisch

    ... haben, mache ich mich auf, schlage ich mich ins Gebüsch. Ich will mich querfeldein der Grenze näheren und diese dann auch überschreiten.
    
    Schon nach zehn Minuten müsste ich nahe genug sein, um nicht mehr weit von meinem Ziel entfernt zu sein. Ich bin an der Grenze oder sogar schon auf russischem Gebiet.
    
    Immer wieder schaue ich mich aufmerksam um und achte auf die Umgebung. Jedes Geräusch nehme ich wahr und versuche es zu deuten. Ich kann aber nichts Ungewöhnliches ausmachen. Es sieht ganz danach aus, als sei ich weit und breit der einzige Mensch.
    
    Obwohl ich keine Anzeichen für eine Patrouille in meiner Nähe ausmachen kann, bleibe ich aufmerksam. Ich bin auch nervlich sehr angespannt. Nicht auszudenken, was geschehen würde, sollte man mich entdecken. Und genau in dem Moment nehme ich im Augenwinkel eine Bewegung wahr.
    
    "Halt!", höre ich plötzlich.
    
    Als ich mich umdrehe, steht eine russische Patrouille hinter mir, Gewehr im Anschlag. Ich muss die Grenze bereits überschritten haben, weil sie in meinem Rücken sind. Dass ich in dieser Einöde ausgerechnet auf eine Gruppe Soldaten treffe, ist schon verdammt viel Pech.
    
    Ich bleibe sofort stehen und hebe die Hände. Das ist meine einzige Chance, um nicht auf direktem Weg in einem Internierungslager irgendwo in Sibirien zu enden. Ich muss die Naive spielen, das Mädchen, das keine bösen Absichten hat und auch keine Gefahr darstellt. Ich hoffe, dass meine Papiere gut sind.
    
    "Was machst du hier?", bellt einer der drei ...
    ... Soldaten. Er hat vermutlich das Sagen.
    
    "Ich habe meine Großmutter besucht. Sie lebt jenseits der Grenze", lüge ich.
    
    "Und woher kommst du?"
    
    "Ich bin in Moskau geboren und dort aufgewachsen."
    
    "Wie heißt du?"
    
    "Anastasia Serinskaya."
    
    "Papiere!", blafft er mich an.
    
    Ich nehme vorsichtig den Rucksack von den Schultern, stelle ihn langsam vor mir auf den Boden und öffne ihn mit Bedacht, um meinen Ausweis hervorzuholen. Ich reiche ihn dem Mann, der ihn nimmt und eingehend studiert. Alle meine Bewegungen sind langsam und vorsichtig. Ich will mir keine Kugel einfangen, weil einer der Typen nervös ist.
    
    "Warum ist deine Großmutter jenseits der Grenze?"
    
    "Meine Mitter stammt aus der Ukraine, lebt aber schon lange in Moskau bei meinem Vater."
    
    "Das kann jeder behaupten", fährt er mich an. "Mitkommen!"
    
    Die beiden Wachleute, die ihn begleiten, nehmen mich in ihre Mitte, der Anführer greift sich meinen Rucksack und so marschieren wir durch das Unterholz tiefer hinein auf russisches Gebiet. Vorausgesetzt, ich komme aus dieser Situation heil heraus, ist es keine schlechte Methode, um die Grenze zu überqueren. Einmal dort, schicken sie mich sicher nicht mehr zurück. Die Frage ist nur, lassen sie mich laufen oder wandere ich in ein Lager.
    
    Etwa eine halbe Stunde später erreichen wir einen kleinen Ort. Genau genommen sind es nur fünf Häuser und eine Kirche, eine sehr kleine Kirche sogar. Meine Begleiter steuern ein Haus an, das wohl so etwas wie eine Polizeistation ist. ...
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