1. Abends im Hotel


    Datum: 24.05.2026, Kategorien: Erotische Vereinigung,

    Was. Bin ich müde! So habe ich mir meinen Job nun wirklich nicht vorgestellt. "Sie werden das Aushängeschild unserer Firma sein!" haben sie mir gesagt. "Die Kunden werden Ihnen aus der Hand fressen!" haben sie mir erzählt.
    
    Nun sitze ich hier einmal mehr in irgendeinem Kaff an irgendeiner Hotelbar und lasse die Zeit vergeuden. Aktiv muss ich das schon nicht mehr tun, sie wird mir vergeudet. Wobei es heute zumindest mal ein ansehnliches Hotel ist mit einem gewissen Stil.
    
    Alleine abends loszuziehen und mir einen unbekannten Ort anzuschauen -- das Interesse ist schon längst verflogen! Zumal nach den Kundenbesuchen und der unvermeidlichen Autofahrerei zwischendurch die Abende so kurz sind, dass ich mir lieber eine ausgiebige Dusche und die Chance auf ein wenig ungezwungene Konversation gönne, indem ich mich eben so wie heute noch ein wenig an die Bar setze.
    
    Ein wenig komme ich mir manchmal vor wie eine Hure auf dem Strich. Sitze da, heuchle Interesse vor, man tauscht Banalitäten aus und hofft jedes Mal auf den großen Wow!-Moment, den Abend, an den man sich noch jahrelang erinnert, weil er wider Erwarten so eindrucksvoll, interessant, spaßig oder bereichernd ist, dass man ihn nie vergisst.
    
    Doch meistens muss ich meine harten Bandagen auspacken, um irgendwelche schmierigen Typen abzuwehren, die alleine aufgrund ihrer Kleidung sicherlich die letzten drei Dekaden nichtmehr herangenommen worden waren. Pfefferspray habe ich immer dabei! Man weiß ja nie. Allerdings, solange ...
    ... sich alles an der Hotelbar quasi unter Zeugen abspielt, bleiben auch solche Begegnungen eigentlich immer folgenlos.
    
    Heute nun sitze ich alleine an der Bar. Der fast schon kindliche Barkeeper schreibt schon seit Ewigkeiten Messages auf seinem Handy und grinst dabei unentwegt wie ein Honigkuchenpferd. Jaja, die erste Liebe. Ich dagegen war schon lange nicht mehr verliebt. Ab einem bestimmten Alter scheint die Liebe verschwunden zu sein und die "wahre Erkenntnis" kehrt ein: stereotypen, die man am Gang, der Kleidung, ihrer Karre, ihren Gesten oder ihrer Begrüßung erkennt, einen Augenblick danach in eine Schublade steckt und diese mit sechsstelligem Zahlencode und Vorhängeschloss in den Tiefen seiner Seele versenkt. Wann nur bin ich so abgehalftert geworden? Das Bier jedenfalls ist gut, der Barhocker bequem, und so philosophiere ich ein wenig in mein Glas hinein und lasse meine Seele allmählich ins Loch fallen.
    
    Nachdem ich einen Schluck später mein Glas wieder absetze, sitzt plötzlich ein Typ an der Bar. Fast erschrecke ich, als ich ihn bemerke. Entweder war ich so in meinen Gedanken versunken oder der Typ hat sich wirklich so leise angeschlichen.
    
    "Guten Abend!"
    
    "'n Abend." Erwidere ich tonlos. Der Barkeeper macht drei Schritte auf ihn zu und schaut ihn erwartungsvoll an.
    
    "Ein kleines Pils bitte und ein paar Erdnüsse. Danke!"
    
    Komm mal auf Betriebstemperatur und schalte mal deinen Scanner an! Ermahne ich mich. Ein wenig richte ich mich auf, schiele zu ihm hinüber, ...
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