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Wie das Leben so spielt
Datum: 03.06.2026, Kategorien: Romantisch
... ruhigeres Eck verzogen, wo sie über die Männer, ihre Kinder oder vielleicht einfach über die Qualität des Tiramisu sprachen - Martin konnte es nicht genau sagen. Nicole hingegen saß immer noch am selben Platz, wie festgewachsen. Ihre Körpersprache sprach Bände. Ein resigniertes Einsinken in den Stuhl, der eine Knöchel über das andere Knie gelegt, Daumen wischten mechanisch über das Display ihres Smartphones, ohne erkennbare Freude oder Interesse. In ihrem Mund bewegte sich ein Kaugummi rhythmisch, fast trotzig. Sie wirkte wie eine Gefangene dieses Abends - und Martin fühlte sich ihr in diesem Moment irgendwie verbunden. "Geht dir die Feier auch langsam auf die Nerven?", fragte er leise, sich ein wenig zu ihr vorbeugend. Sie sah auf, kaute weiter, ihr Blick traf ihn kühl und direkt - beinahe analytisch, wie bei jemandem, der prüft, ob ein Gespräch überhaupt der Mühe wert war. Dann hob sie die Schultern, blies eine winzige Kaugummiblase auf und sagte knapp: "Etwas." "Mir geht das Ganze auch schon auf die Socken", antwortete Martin trocken - verschwörerisch. Zum ersten Mal huschte ein Grinsen über ihr Gesicht. Es war flüchtig, aber ehrlich. Dann sah sie wieder auf ihr Handy, als wolle sie ihm durch diese kleine Geste zumindest Respekt zollen. Martin kannte Nicole und ihre Mutter schon seit fast zehn Jahren. Laut Ralph sei deren Beziehung aus einem Urlaubsflirt entstanden - irgendein Hotel in Spanien, ein zu warmer Abend, zu viele Cocktails, zu wenig Nachdenken. ...
... Martin hatte dieser Version nie ganz geglaubt. Zu viel an Miranda schien ihm geplant kalkuliert. Sie war eine jener Frauen, die sich schnell und oft verliebten - aber immer in Männer, die entweder notorisch tranken oder leicht zu manipulieren waren. Männer wie Ralph. Oder schlimmere. Nicole war Ralph gegenüber anfangs kühl gewesen - beinahe abweisend. Ihr Vertrauen hatte er sich nur mühsam erarbeitet. Martin hingegen, der nie versuchte, sich einzuschmeicheln oder sich als Ersatzvater zu inszenieren, hatte sie von Anfang an auf Augenhöhe begegnet. Vielleicht war es genau das, was sie schätzte. Er war kein Schwätzer, kein übergriffiger Besserwisser. Er war einfach Martin - direkt, selbstsicher, ein sportlicher Typ, der seinen eigenen Weg ging und kein Bedürfnis hatte, anderen zu gefallen. Vermutlich passte er deshalb auch nicht ins Beuteschema ihrer Mutter. Martin seufzte innerlich, erhob sich langsam und klopfte Ralph auf die Schulter. "Ich geh mal raus, ein bisschen Luft schnappen." "Mach das", rief Ralph über seine Schulter, ohne sich wirklich vom Gespräch lösen zu können. Martin schob sich durch den vollen Saal, vorbei an plappernden Tanten, gestikulierenden Onkeln und einem Kellner mit nervösem Blick, weiter durch den Gastraum und schließlich durch eine Seitentür in den Hinterhof. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss - mit einem befreienden Klick. Draußen empfing ihn kühle, klare Luft. Ein leichter Wind bewegte die Blätter einer alten Eiche, die majestätisch ...