1. Julia & T'Amar 01


    Datum: 12.06.2026, Kategorien: Sci-Fi & Fantasy,

    ... von hier, wenn Sie verstehen."
    
    Ein kurzer, vielsagender Blick flog zwischen Amanda und Penelope hin und her. Dann übernahm Amanda das Gespräch.
    
    „Sheriff, hier spricht Agent Grayson. Ich bin in einer Stunde bei Ihnen. Bis dahin berührt niemand die Gegenstände. Ich wiederhole: Niemand. Rührt. Etwas. An."
    
    „Verstanden, Ma'am. Ich warte auf Sie."
    
    Penelope unterbrach die Verbindung. Amanda war bereits aufgestanden, griff nach ihrer Jacke und zog die oberste Schublade ihres Schreibtisches auf. Sie holte ihre Dienstwaffe heraus, überprüfte Magazin und Sicherung mit routinierten Handgriffen und steckte die Pistole in das Gürtelholster an ihrer Seite.
    
    „Hol mir ein Einsatzfahrzeug vom Flughafenpersonal zum Jet, ich fliege sofort los", befahl sie, während sie mit flinken Fingern ein paar Dinge auf ihrem Tablet eintippte.
    
    „Schon unterwegs", antwortete Penelope, ohne hinzusehen. „Soll ich eine Akte anlegen?"
    
    Sie zögerte einen Moment, dann grinste sie frech über den Rand ihres Monitors. „Und falls sich das Ganze wirklich als ‚interstellarer Zwischenfall' entpuppt -- wäre es vermessen, um ein Selfie von dir und unserer heißen ‚Alien-Gefangenen' zu bitten?"
    
    Amanda war schon auf dem Weg zur Tür, blieb stehen und warf ihr einen über die Schulter einen scharfen Blick zu. „Penelope..., wenn sie wirklich außerirdisch ist, steht sie garantiert nicht auf Selfies. Und wenn doch, bist du die Erste, die sie blockiert."
    
    Sie legte den Kopf schief und ein feines Lächeln ...
    ... umspielte ihre Lippen.
    
    „Leg sie unter X-Akten ab", sagte sie. „Oder nenn sie einfach ‚T'Amar'. Wir werden sehen, ob der Name bleibt."
    
    ***
    
    Der Wagen rollte lautlos durch die Straßen, in Richtung Rollfeld. Amanda saß hinten, allein. Der Fahrer kannte seinen Job -- keine Fragen, kein Gerede. Draußen schien die helle Vormittagssonne auf asphaltierte Wege, warf durch die Windschutzscheibe helle Streifen auf ihre Hände.
    
    Sie dachte nach.
    
    Offiziell war sie Agentin einer Sonderabteilung des FBI. Eine Taskforce, die in keinem Organigramm auftauchte, aber doch auf dessen Gehaltsliste stand. Spezialisiert auf das Unklassifizierbare. Intern nannten sie es halb spöttisch, halb ehrfürchtig„Sektion 31" -- in Anlehnung an Science-Fiction-Serien, die manche von ihnen viel zu ernst genommen hatten.
    
    In Wahrheit war es weit mehr als ein popkultureller Scherz. Die Einheit war unabhängig -- nicht gesetzlos, aber jenseits der üblichen Verwaltungsgrenzen. Ihre Befehle kamen nicht aus Büros mit Namensschildern, sondern von Menschen, die der Präsidentin so nahestanden wie ihr eigener Schatten. Amanda hatte gelernt, sich nicht zu wundern, wer plötzlich ihre direkten Vorgesetzten waren -- oder wie viel diese angeblich nicht wussten.
    
    Sie war lange genug dabei, um zu erkennen, wann ein Einsatz keine Routine war. Und dieser hier war keiner. Wenn ein Sheriff am Strand ein fremdes Mädchen findet -- nackt, mit Ausrüstung, die nach nichts Irdischem aussieht -- und ihr Büro den Fall bekommt, ohne ...