1. Tanz mit dem weißen Ritter


    Datum: 17.06.2026, Kategorien: Romantisch

    ... ihre Antwort abzuwarten, setzte ich mich rechts neben sie. Ich glaube, sie schaute mich jetzt das erste Mal bewusst an. "Ich bin Torsten", begann ich.
    
    "Frau Professor Graulich", erwiderte sie.
    
    Na, das war ja mal ein gelungener Anfang. Obwohl ich innerlich grinsen musste, wurde mir heiß. Was hatte Jochen gesagt? Sie war eine harte Nuss. Wenn das mit dem Hochzeitsgeschenk mal gut ging. "Spreche ich Sie richtig mit Frau Professor an oder muss ich Frau Professorin sagen?", wollte ich wissen.
    
    "Frau Professor reicht, Professorin wäre redundant", erklärte sie.
    
    "Immerhin reden Sie mit mir, danke dafür", sagte ich eher leise zu mir selbst. Jetzt schaute sie mir in die Augen. Aber ich durfte nicht in diesen blauen Seen versinken. Ich nahm den Faden wieder auf. "Sie haben einen Lehrstuhl für Biologie? Wo?", fragte ich.
    
    "Na, da hat ja jemand aufgepasst. In Mainz. Mein Spezialgebiet ist die zelluläre Neurobiologie", antwortete sie. Sie schaute gelangweilt.
    
    "Faszinierend."
    
    "Ach nee, ein Star-Wars-Fan", stöhnte sie und rollte mit den Augen.
    
    Ich musste lachen. "Touché! Ich liebe es, wenn Captain Kirk sein Laserschwert schwingt."
    
    Ihr unwillkürliches Lächeln entlarvte sie als jemanden, der den Unterschied zwischen Star-Trek und Star-Wars kannte.
    
    "Wenn Sie mit Sybille in die Grundschule gegangen sind, sind Sie noch keine 40 Jahre alt. Und dann schon Professor?"
    
    "Jetzt hätten Sie Professorin sagen müssen", wurde ich korrigiert.
    
    Ich nickte: "Frau Professor, ...
    ... Sie haben recht, ich hätte Professorin sagen müssen. Also noch mal. Und dann schon Professorin, Frau Professor?"
    
    Sie schaute kurz erstaunt, bevor sie schmunzeln musste. Sie fuhr fort: "Start des Biologiestudiums mit 21, Master mit 26, Promotion mit 31, weitere 6 Jahre Forschung finanziert durch die deutsche Forschungsgesellschaft auf meinem Spezialgebiet, auf dem ich mit meiner Promotion weltweit für Aufsehen gesorgt hatte. Vor 2 Jahren die Berufung. Noch Fragen?"
    
    "Also ein Überflieger?" Sie grinste, was mich veranlasste nachzulegen: "Eine Überfliegerin? Tut mir leid, ich bin nicht gut im Gendern!"
    
    Jetzt musste sie lachen. "Keine Sorge, ich bin keine Feministin. Und ein Überflieger bin ich auch nicht. Ich habe nur Glück gehabt."
    
    "So so, nur Glück gehabt. Wer"s glaubt. Wenn Sie eine gute Freundin von Sybille sind, warum waren Sie nicht bei der Trauung dabei?"
    
    "Schlechtes Wetter in Kopenhagen", antwortete sie. Als sie meinen fragenden Gesichtsausdruck sah, fuhr sie fort: "Der Flieger war verspätet. Ich habe es nicht früher geschafft."
    
    "Eine schöne Uhr haben Sie da", wechselte ich das Thema.
    
    Unwillkürlich winkelte Sie den linken Arm an und schaute auf die Uhr. Ein Blick und ich erkannte den Hersteller. "Ich weiß, ich habe einen exklusiven Geschmack."
    
    "Na ja", relativierte ich, "auch ich habe an meinem Handgelenk ein kleines Wunderwerk der Technik, das ohne Energiequelle auskommt und aus Frankfurt stammt." Ich hob meinen Arm und zeigte meine Sinn-Uhr. Sie ...
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