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Tanz mit dem weißen Ritter
Datum: 17.06.2026, Kategorien: Romantisch
... schaute interessiert. Aber ich fort: "Ich beobachte Sie schon den ganzen Abend." "Das war nicht zu übersehen." "Es tut mir leid, war es so offensichtlich? Ich hatte das Gefühl, dass Sie Ihre Umgebung nur nebenbei bemerken. Falls ich Ihnen zu nahe getreten sein sollte, bitte ich um Verzeihung." "Geschenkt. Was wollen Sie von mir?" "Einen Tanz." "Ich tanze nicht." "Ich ja auch nicht. Und ich habe gesehen, dass Sie schon einem halben Dutzend Männern einen Korb gegeben haben." "Aber?" "Ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich nicht wenigstens einen Versuch gemacht hätte, mit der interessantesten Frau auf dieser Hochzeit zu tanzen." Sie schaute mich nachdenklich an, bevor sie lächelte. "Netter Versuch. Die meisten Männer verwenden den Begriff der schönsten Frau." Ich schüttelte den Kopf: "Das ist auf einer Hochzeit klar das Privileg der Braut." "Hören Sie Torsten, ich fühle mich auf gut besetzten Tanzflächen nicht wohl. Das hat wenig mit tanzen zu tun, sondern eher etwas mit Intimität, mit Smalltalk und in meinem Fall mit Anmache." "Wenn Sie jemand um einen Tanz bittet, empfinden Sie das als Anmache?" "Ja, als was denn sonst. Sie haben keine Ahnung, was wir alleinstehenden Frauen auf der Tanzfläche durchmachen. Ständig der Konflikt, lasse ich mir die falsche Position seiner Hand auf meiner Hinterseite gefallen oder sollte ich mich wehren? Dann das belanglose Blabla und das erlösende Gefühl, wenn die Musik verebbt und man wieder an seinem ...
... Tisch sitzt." Jetzt musste ich lachen. "Kommen Sie Frau Professor, auf so einer Hochzeit ist doch alles ganz harmlos. Fast alle sind sowieso schon vergeben." "Und Sie glauben, das hält die Männer von irgendwas ab? Manchmal habe ich das Gefühl, das Gegenteil ist der Fall." Komisch war, dass ihre Stimme nicht so klang, als ob es sich um eine endgültige Weigerung handelte, mit mir zu tanzen. Noch gab ich nicht auf. "Also wenn Sie mir jetzt auch einen Korb geben, verpassen Sie die einmalige Gelegenheit, heute Abend mit einem weißen Ritter zu tanzen." Sie seufzte: "Weißer Ritter? Sie wissen aber schon, dass das die Bezeichnung für eine pathologische Persönlichkeitsstörung ist?" "Natürlich weiß ich das", begann ich. "Wieso natürlich? Sind Sie Psychologe? Dann passte vorhin die Bezeichnung Jongleur aber so gar nicht zu Ihnen", unterbrach sie mich. Aha, auch sie hatte aufgepasst. Ich seufzte theatralisch. "Jongleur, weil ich mit Zahlen jongliere. Ich bin Big-Data-Analyst bei einer Versicherung. Und nein, ich bin kein Psychologe. Aber meine Ex war es, beziehungsweise ist es immer noch. Wissen Sie, sie hat mich immer als weißen Ritter bezeichnet. Allerdings ohne die pathologische Ausprägung. Sie verband damit Eigenschaftswörter wie höflich, aufmerksam, zuvorkommend, zärtlich, leise, auf das Wohl der anderen bedacht, selbstlos, lieb und nett." Hatte ich jetzt ihre volle Aufmerksamkeit? "Wir weißen Ritter bringen im übertragenden Sinne immer den Müll runter, machen uns ...