1. Ein Herz und zwei Seelen -- Josefine Selma


    Datum: 30.07.2026, Kategorien: Romantisch

    ... ihr von mir. Erzähl ihr von den schönen Stunden, die wir hatten. Erzähl ihr von dem Mädchen Josefine, das von der großen Liebe träumte, und die statt dessen von ihrer großen Liebe zur Straßenhure Jaqueline gemacht wurde."
    
    "Du bist so viel mehr als das, Josefine. Du bist ein ganz wunderbarer Mensch, der wunderbarste Mensch, den ich kenne."
    
    "Hör, auf, Johann, sonst muss ich gleich heulen, und ich will nicht, dass du mich als ein Häufchen heulendes Elend in Erinnerung behältst."
    
    Wir stehen auf und ziehen unsere knappen Kleidungsstücke an.
    
    Johann sitzt traurig an der Bettkante.
    
    "Sei nicht traurig, Johann! Küss mich noch ein letztes Mal und dann muss ich los."
    
    Johann steht auf und wir küssen uns. Es ist ein leidenschaftlicher und intensiver Kuss und ich beschließe, dass es nicht der letzte sein wird.
    
    Ein letzter Blick, dann drehen wir uns wortlos um und verlassen Johanns bewegliches Bett.
    
    Schnell setzen wir uns in Bewegung, die Kehle fühlt sich an wie zugeschnürt und dann brechen die Tränen in Strömen aus uns raus. Wir lassen sie einfach laufen.
    
    "Hier ist das Geld von heute."
    
    "Hallo Jaqueline. Ich schreib dir schnell ne Quittung aus, Moment."
    
    Der Mann in dem Stuhl mit Rädern dran händigt uns ein Stück Papier aus.
    
    "Alles in Ordnung mit dir, Jaqueline? Du siehst total verheult aus."
    
    "Ernsthaft, Bernie? Ob alles in Ordnung ist mit mir? Ist es in Ordnung, dass ich mich jedenTag prostituieren muss statt zur Schule zu gehen und fürs Abitur zu ...
    ... lernen? Ist es in Ordnung, dass mein Körper ausgebeutet wird und ich von den 10000, die ich im Monat einnehme, gerade mal 500 für mich habe? Ist es in Ordnung, dass ich von meiner Familie und von meinen Freunden getrennt bin? Ist es in Ordnung, dass meine Träume allesamt zerplatzt sind und ich nie mehr im Leben glücklich sein darf? Ist es in Ordnung, dass ich mir jeden neunten Tag dieses Gift in den Arsch spritzen lassen muss, weil ich sonst vor Schmerzen den Verstand verliere? Sag mir, ob irgendetwas von all dem in Ordnung ist, Bernie! Sag es mir! Und dann frag mich nochmal, ob alles in Ordnung ist mit mir!"
    
    Wieder laufen uns die Tränen runter.
    
    "Entschuldige, Jaqueline, das war eine dumme Frage. Ich wünschte, ich könnte dir helfen, aber das kann ich nicht."
    
    "Ja, Bernie, eine wirklich dumme Frage. Aber ich weiß, wie du mir helfen kannst. Nimm ein langes Messer und stoss es mir mitten ins Herz! Damit würdest du mir wirklich helfen, weil dann nämlich all das Elend ein Ende hat."
    
    Das hört sich furchtbar an. Ich schäme mich dafür, dass ich nie darüber nachgedacht habe, was eine Hübschlerin denkt oder fühlt. Nun fühle ich es selbst, fühle ihre Verzweiflung. Mir wird klar, warum Gott meine Seele zu ihr geführt hat. Es geht nicht um mich oder um Johannis' Seele, es geht um sie, und nur um sie.
    
    Wir gehen eine Treppe hoch und sehen einen Flur mit mehreren Türen. Eine davon öffnen wir und gehen in einen kleinen Raum. Ein Bett steht darin, ein kleiner Tisch und ein Stuhl. Ein ...
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