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Ein Herz und zwei Seelen -- Josefine Selma
Datum: 30.07.2026, Kategorien: Romantisch
... nicht viel übrig. Ich bin keine Psychologin, aber ich wusste, meine Psyche war nicht mehr in Ordnung. Irgendwas ist damit passiert, seit ich dort im Trainingsraum den Nervenzusammenbruch hatte. Ich glaube, dass ich depressiv wurde. Von dem im Arbeitsvertrag erwähnten Betriebsarzt will ich euch noch erzählen. Einmal im Monat fuhr Zlatko mich da hin. Es war eine Frauenarztpraxis, die schon bessere Tage gesehen hatte. Wir besuchten ihn immer am Wochenende, wenn eigentlich geschlossen war. Der Arzt war nicht mehr der Jüngste und er roch immer nach Alkohol. Ob er wirklich Arzt war, weiß ich nicht. Ich musste mich auf diesen Stuhl setzen, ihr wisst schon. Bei jeder Untersuchung fummelte er an mir herum, wie es ein Arzt eigentlich nicht tun sollte. Und zum Schluss ließ er seine Hose runter und missbrauchte mich. Ich müsse es schon ihm überlassen, wie er mich untersucht, sagte er, als ich protestierte. Als ich es Zlatko erzählte, grinste der nur und meinte, ich soll mich dran gewöhnen. Ein wirklich widerlicher Typ. Als es kälter wurde draußen, musste ich nicht mehr so viel Haut zeigen. War ja auch vernünftig, mit einer Erkältung hätte ich wohl kaum Kundschaft gehabt. Dann kam die Adventszeit. Ihr wisst, ich habe mich immer auf Weihnachten gefreut. Ich kaufte mir ein kleines Adventsgesteck, aber wirklich daran erfreuen konnte ich mich nicht. Anders war es, wenn ich in der Kirche war. Ein wenig weihnachtliche Stimmung gab es da schon. Über Weihnachten hatte ich frei, es wäre ...
... sowieso kaum jemand zum Strich gekommen. Die Fahrer waren zuhause und die anderen meist bei ihren Familien. Ich war sehr traurig und sehnte mich nach den Weihnachtsfesten, die wir gemeinsam gefeiert hatte. Wie wir uns beschenkten und gemeinsam sangen. Ich ging zur Christvesper und blieb einfach da bis zur Christnacht. Zwischen den Gottesdiensten waren nur wenige Menschen da. Eine Frau sah, dass ich weinte und setzte sich zu mir, sie hieß Thea. Ich schüttete ihr mein Herz aus und erzählte alles. Ich erzählte von euch und wie schön es immer war, wenn wir Weihnachten feierten und ich erzählte von all dem Unglück, das mir passiert war. Sie wollte mir helfen, aber ich sagte ihr, dass sie in großer Gefahr ist, wenn sie das macht. Sie blieb bei mir, bis die Christnacht vorbei war und wir verabredeten, zukünftig bei den Gottesdiensten immer nebeneinander zu sitzen, was wir dann auch machten. Ich hoffe, dass ich sie irgendwann mal wiedersehen kann. Naja, Weihnachten war vorbei, aber meine Traurigkeit blieb. Im Winter auf der Straße arbeiten ist hart, sehr hart. Und dann passierte es. Es war die Nacht vom 22. auf den 23. März. Ich war wohl schon etwas müde und unaufmerksam und ich habe mir den Kunden nicht genau angesehen. Er wollte etwas ganz besonders Widerliches von mir, aber statt nein zu sagen, sagte ich, das kostet 200 Euro extra. Ich war mir sicher, dass es ihm zu teuer wäre. War es aber nicht. Er zahlte und ich musste das machen. Ich sag euch lieber nicht, was es war. ...