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Ein Herz und zwei Seelen -- Josefine Selma
Datum: 30.07.2026, Kategorien: Romantisch
... hat. Und das andere ist von Louise Glück, einer Literaturnobelpreisträgerin. Letzteres ist eine Leihgabe, du kannst es bis zum nächsten Mal lesen, dann bekommst du zwei andere gute Bücher geliehen. Das Buch "Menschen lesen" ist ein Geschenk, das kannst du behalten." Ich war sehr glücklich über die Bücher. Zum Abschied bedankte ich mich mit einem Kuss und bat ihn, den an Christine weiterzugeben. So kam es, dass ich alle 14 Tage mit Robert einen Ausflug in diesen Swingerclub machte, insgesamt 23 mal. Die Bücher, die sie mir liehen, habe ich immer mehrmals verschlungen. Und eins wurde mir klar. Hätte ich das Buch "Menschen lesen" vorher gekannt, wäre ich niemals auf Zlatko hereingefallen. Aber das Buch half mir bei meiner Arbeit. Ich konnte meine potentiellen Kunden besser einschätzen und fand heraus, zu wem ich besser nicht ins Auto steigen sollte. Das ersparte mir möglicherweise Gewalterfahrungen mit Kunden. Gestern wäre übrigens der nächste Termin für den Swingerclub gewesen, aber ich werde nie wieder einen betreten. Letztendlich bin ich Christine und Robert irgendwie ein wenig dankbar. Ich hatte etwas, auf das ich mich freuen konnte in meinem traurigen Alltag und ich hatte Beschäftigung mit anspruchsvollen Büchern. So anspruchsvoll, dass ich sie manchmal erst nach dem dritten Lesen verstanden habe. So, das war mal etwas relativ angenehmes zwischendurch. Wenn ich gleich weiter erzähle, dann wird es teilweise richtig übel, aber ich muss das mal erzählen, ich ...
... kann das nicht mit mir herumtragen, ohne es rauszulassen. Aber wenn meine Geschichte an den Punkt kommt, wo eine gute Seele mir das Leben rettet, dann wird es schön. Überraschend schön. Gehen wir wieder nach Hause? Dann erzähl ich, wie es nach meinem ersten Tag weiterging." - Eine gute Seele... das hast du schön gesagt, Schwester. - - Und doch bist du so viel mehr für mich, Schwester. - Wir müssen lächeln und ich fühle, dass wir beide glücklich sind. Nachdem Mama nochmal Tee gemacht hat, sitzen wir wieder auf dem Sofa. Wir holen tief Luft, dann erzählt Josefine weiter. "Nachdem ich der ersten Tag überstanden hatte, ging es so ähnlich weiter, Tag für Tag. Ich musste irgendetwas tun, damit meine Seele nicht verloren ging. Mama, Papa, ihr wisst, nach meiner Konfirmation war ich vielleicht zehn, fünfzehn mal in der Kirche. Der Kirchturm, den ich gesehen hatte, gehörte zur Dreifaltigkeitskirche in Hamburg-Hamm. Ich war jeden Tag mindestens einmal da, die Tür war immer offen, außer nachts. Und ich besuchte jeden Gottesdienst, ließ keinen aus. Es war wie ein kleiner Urlaub für mich, der Wechsel von einer Welt in eine komplett andere. Gute Bücher, Kirchenbesuche, man könnte meinen, dass ich einigermaßen zurecht kam. So war das aber nicht. Ich vermisste euch, ich vermisste mein altes Leben, die Schule, Freunde, den Sportverein. Jeder Mann, mit dem ich mich abgeben musste, nahm mir ein kleines Stück weg von meiner Persönlichkeit. Von meiner Selbstachtung war sowieso ...