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Ein Herz und zwei Seelen -- Josefine Selma
Datum: 30.07.2026, Kategorien: Romantisch
... arbeiten." Er ging und ich schlief wieder ein bis zum Abend. "Ich hab mir was überlegt," sagte er abends. "Da du so gut gearbeitet hast, werde ich darauf verzichten, dir zu zeigen, was es heißt, drei Tage lang die Spritze nicht zu bekommen. Und du darfst die 600 Euro, die du extra verdient hast, behalten. Kauf dir was schönes dafür." Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Den einen Tag war er brutal und rücksichtslos, den anderen Tag fürsorglich und nachgiebig. Aber ich wusste von dem Tag an, dass ich meinem Leben ein Ende setzen würde, bald schon. Der 19. April, mein 19. Geburtstag, näherte sich und ich beschloss, dass ich den noch erleben wollte. Ich dachte, es wird ein trauriger Tag, weil mir niemand gratulieren würde. Es gab ja auch keinen Grund, mir zu gratulieren in meiner Situation. Ich hatte die 600 Euro noch nicht ausgegeben und wollte mir selbst ein Geburtstagsgeschenk davon machen. Also ging ich damit an meinem Geburtstag zum Edeka und sah mich um. Aber nichts schien mir geeignet, mich selbst zu beschenken und außerdem würde mich das Geschenk immer daran erinnern, warum ich das Geld bekommen hatte. Also machte ich mir kein Geschenk - dachte ich. Als ich an der Kasse wartete, stand vor mir eine alte Frau, die ihren Einkauf bezahlen sollte. Sie war klein, ging in gebeugter Haltung und brauchte einen Gehwagen. Sie hatte nicht genug Geld dabei und sollte etwas zurücklegen, damit sie den Rest begleichen kann. Sie weinte und sagte, dass sie doch ...
... alles brauchen würde und sie wusste nicht, was sie dalassen sollte. Da nahm ich die 600 Euro und gab sie ihr. Sie weinte vor Freude, bedankte sich mehrmals und sagte: "Du musst ein Engel sein." Da wusste ich, dass ich alles richtig gemacht hatte mit dem Geld und ich hatte mich selbst viel mehr beschenkt als die alte Frau. Nachdem die Frau bezahlt hatte und auf dem Weg nach draußen war, bezahlte ich meinen Einkauf. "Ich hätte nicht gedacht, dass eine wie du so ein großes Herz haben kann." sagte die Kassiererin. "Weil Huren keine menschlichen Wesen sind?" "So war das doch nicht gemeint." "Ich weiß, wie es gemeint war, aber ich wünsche dir trotzdem, dass dir nicht passiert, was mir passiert ist. Drum pass gut auf, in wen du dich verliebst." "Ich wusste ja nicht..." "Lass stecken, Mädchen. Hab ein schönes Leben!" "Entschuldigung." hörte ich noch, dann ging ich raus. Draußen sah ich noch die alte Frau, wie sie langsam mit ihrem Gehwagen fortging. Ich freute mich für sie und lächelte. Zufrieden ging ich in Richtung Unterkunft. Und da sah ich auf dem Gehweg eine kleine weiße Schachtel liegen. Ich hob sie auf, wahrscheinlich hatte sie jemand verloren. Es war eine Medikamentenschachtel mit 30 Schlaftabletten. Ich steckte sie ein und wusste nun, wie ich meinem Leben ein Ende setzen konnte. Ich konnte einfach alle auf einmal einnehmen und würde für immer einschlafen. Seltsam, oder? Hatte Gott nur darauf gewartet, dass ich etwas Gutes tue, um mir dann ...