1. Die Brautentführung


    Datum: 07.08.2026, Kategorien: Sonstige,

    ... mehr muss man mit Komplikationen rechnen. Und einen Schwangerschaftsabbruch ab der neunten Schwangerschaftswoche sollte man nur in Betracht ziehen, wenn es dafür gute medizinische Gründe gibt. Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage ausführlich genug beantworten."
    
    "Ja, vielen Dank, Frau Doktor."
    
    Nachdem Runa ihren Mutterpass und die anderen Unterlagen bekommen hatte, fuhr sie mit Monika wieder nach Hause. Sie war die ganze Zeit über sehr nachdenklich, und als sie auf dem Sofa saß, ging Monika in die Küche und bereitete ihnen beiden einen Tee zu.
    
    Als sie dann neben Runa Platz nahm, und ihr den Tee reichte, sah Runa sie verzweifelt an und fragte:
    
    "Was mach ich denn jetzt nur, Moni?"
    
    Monika stellte Ihren Tee auf dem Tisch ab, nahm Runa die Tasse vorsichtig aus der Hand und stellte sie neben ihre. Dann nahm sie Runas Hände, sah sie an und meinte einfühlsam:
    
    "Das muss schlimm für Dich sein, jetzt eine Entscheidung zu treffen. Ich weiß auch nicht, wie ich mich an Deiner Stelle entscheiden würde. Aber nach all dem, was Deine Ärztin über die Komplikationen sagte, solltest Du nicht abtreiben. Auch wenn Du Dir nicht sicher bist, wer der Vater Deines Kindes ist, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass es von Felipe ist doch sehr groß. Auf jeden Fall, und daran gibt es nichts zu rütteln, ist dieses Kind ein Teil von Dir.
    
    Du
    
    bist seine Mutter."
    
    Runa hielt das Ultraschallbild in der Hand und schaute die ganze Zeit darauf.
    
    "Aber ich werde nie wissen, ob er WIRKLICH der ...
    ... Vater ist.", sagte Runa.
    
    "Wenn Du es willst, dann IST Felipe der Vater. Du musst nur fest daran glauben. Und wenn Du unbedingt wissen willst, ob Felipe doch nicht der Vater ist, dann bringt nur ein DNA-Test Gewissheit. Da wächst ein Mensch in Dir heran, ein gesunder Mensch,
    
    Dein
    
    Kind. Du kannst entscheiden, ob Du es töten lässt, oder ob Du es lieben wirst und mit Felipe zusammen zusiehst, wie es aufwächst."
    
    "Das ist nicht fair.", sagte Runa mit tränenerstickter Stimme, nachdem Monika das sagte.
    
    "Ich weiß." Auch Monika kamen die Tränen, und sie nahm Runa in die Arme und hielt sie ganz fest an sich gedrückt. Minutenlang saßen die beiden auf dem Sofa und ließen ihren Tränen vollen Lauf. Dann, als die Tränen versiegten, holte Monika aus ihrer Tasche zwei Taschentücher, reichte eines Runa, das andere nahm sie selbst. Die Frauen wischten sich die Tränen vom Gesicht und putzten sich die Nase.
    
    Das Ultraschallbild lag auf Runas Oberschenkeln. Sie sah es, nahm es in die Hand und sah es wieder lange an. Monika hielt ihre Hand, und schaute ebenfalls auf das Bild.
    
    "Wie winzig es noch ist.", entfuhr es ihr, und wieder musste sie weinen. Diesmal legte Runa den Arm um Monika, zog sich an sich heran, und dann wurden auch ihre Augen wieder feucht.
    
    Fünf Jahre später:
    
    Felipe und Runa hatten sich ein Haus mit Garten gekauft. Es war Sommer, und das Wetter war herrlich. Runa und ihr Mann hatten Glück, dass sie beide am gleichen Wochenende frei hatten und saßen im Garten auf ...