1. Frau aus Glas Teil 02


    Datum: 27.08.2026, Kategorien: Erotische Vereinigung,

    ... es in mein Rucksackfach.
    
    Zitterte.
    
    Und dachte:
    
    Vielleicht...
    
    gebe ich es ihr.
    
    Es war kurz nach zehn, als Tilly bei mir aufschlug -- wie immer ohne Ankündigung.
    
    Sie trug ein pinkes Oversize-Shirt mit dem Aufdruck „Fuck Bauhaus" und hatte zwei Dosen Bier und einen halbvollen Beutel Chips dabei.
    
    „Ich brauch Mensch. Kein YouTube mehr, mein Hirn zerbröselt."
    
    Ich grinste, ließ sie rein.
    
    „Ich bin auch gerade sehr... menschlich", murmelte ich.
    
    Tilly warf sich auf den Küchenstuhl, riss die Dose auf, prostete mir wortlos zu. Ich setzte mich gegenüber, beide Füße auf die Sitzfläche gezogen, meine Haare noch feucht vom Duschen, in einem riesigen Hoodie ohne alles drunter. Der Rucksack mit dem Gedicht lag in der Ecke. Er brannte.
    
    „Du bist still", stellte sie fest.
    
    Ich zuckte mit den Schultern.
    
    „Ich denk nach."
    
    „Über Simonis?"
    
    Ich nickte. Dann schüttelte ich den Kopf. Dann nickte ich wieder.
    
    Tilly rülpste demonstrativ. „Komm. Raus mit der Sprache. Hat sie dich wieder durchgebohrt mit Blicken?"
    
    Ich grinste.
    
    „Nicht ganz. Aber... sie hat mit mir gesprochen. Wir saßen nebeneinander. Sie hat mir eine Frage gestellt. Sie hat mein verdammtes Gehirn auf 'Ein' geschaltet."
    
    Tilly runzelte die Stirn. „Also hat sie dich mental gefingert."
    
    Ich lachte. Laut. Vielleicht ein bisschen zu laut.
    
    „Ungefähr das."
    
    Stille.
    
    Sie kaute einen Chip. Ich trank einen Schluck Bier.
    
    Dann, leise:
    
    „Ich hab was für sie geschrieben."
    
    Tilly sah ...
    ... auf. Ihre Augen wurden schmal.
    
    „Wie jetzt -- Notizen? Oder... Liebesbrief?"
    
    Ich zögerte.
    
    Mein Blick wanderte zum Rucksack.
    
    „Gedicht."
    
    „Du hast ihr ein Gedicht geschrieben? Mit Tusche und Drama?"
    
    Ich nickte langsam.
    
    „Rote Tusche. Auf Büttenpapier."
    
    Tilly starrte mich an. Dann atmete sie aus.
    
    „Göttin hilf. Du bist sowas von verloren."
    
    Ich grinste, verlegen, aber auch... stolz.
    
    „Ich weiß."
    
    „Und du willst es ihr wirklich geben?", fragte sie.
    
    „Vielleicht."
    
    „Mareike... Das ist nicht Tinder. Das ist eine Frau mit zehn Jahren Vorsprung, einer Karriere und einer Garderobe, bei der selbst mein Porno-Abo neidisch wird. Die trägt echte Seide. Wenn du ihr ein Gedicht gibst, dann legst du deine Seele in ihre Hand."
    
    Ich schluckte.
    
    Sie sah mich an. Weich.
    
    „Aber... ich glaube, genau das willst du. Oder?"
    
    Ich nickte.
    
    „Ich will nicht vögeln. Also schon. Aber... ich will, dass sie weiß, dass sie mich bewegt hat. Dass sie... mehr ist als bloß sexy. Sie ist wie... ein Gebäude, das man nie ganz versteht, aber trotzdem immer wieder besuchen will."
    
    Tilly starrte mich an. Dann sagte sie nur:
    
    „Dichterin. Architektin. Masochistin."
    
    Ich lachte.
    
    „Danke."
    
    „Aber wenn du's tust, dann steh dazu. Kein Rückzieher, kein 'aus Versehen in die Tasche gerutscht'. Gib es ihr. Oder verbrenn es. Aber tu's ganz oder gar nicht."
    
    Ich nickte.
    
    Sie hatte recht. Wie immer.
    
    Wir tranken schweigend aus, die Nacht war schwer von Gedanken.
    
    Und ich ...