1. S&O - Zielpersonen 06-08


    Datum: 02.09.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... Firmenbereich betreten hast."
    
    Es folgte eine kurze Pause. Olivia schloss mit den Worten: „Ich liebe dich."
    
    Für einen Moment saß Sophie reglos da. Sie kämpfte gegen die Tränen, gegen die Verzweiflung und auch gegen den unbändigen Wunsch, irgendetwas für Olivia zu tun. Aber gerade letzteres war aussichtslos.
    
    Sophie schluckte den Kloß herunter, den sie im Hals hatte, schüttelte sich kurz und konzentrierte sich auf die Aufgabe vor ihr.
    
    Sie startete den Rechner und tippte nach wenigen Sekunden bereits Login und Passwort ein.
    
    In Gedanken ging sie die Übungen durch, welche die Verbrecher mit ihr an einem Dummy-System durchgeführt hatten. Sophie klickte sich durch diverse Ordner, bis sie die eine Hälfte dessen fand, was ihre Entführer interessierte. Sie öffnete das Verzeichnis eines Projektes zur Organzüchtung. Glofoko, der Marktführer, war, eigenen Angaben zufolge, kurz davor, aus kleinen Biopsien komplexer Organe wie Niere oder Lunge, diese komplett und funktionsfähig zu klonen. Inwieweit das der Wahrheit entsprach, wusste Sophie nicht. Die Zeitungen jedenfalls hatten noch keine Erfolgsmeldungen verbreitet.
    
    Sophie suchte den letzten Forschungsbericht und öffnete ihn. Langsam scrollte sie durch die Datei, welche biochemische Formeln, Rezepturen, 3D-Modelle, Grafiken und lange Textpassagen enthielt, gelegentlich auch handschriftliche Notizen. Die kleine Kamera in ihrer Brille zeichnete alles auf, was sie sah.
    
    Auf einem zweiten Monitor suchte und öffnete sie das ...
    ... Projekt über den neuen Quantenprozessor.
    
    Während Sophie mechanisch langsam in beiden Dokumenten weiterscrollte, überlegte sie, warum die Verbrecher so kompliziert vorgingen.
    
    Das IT-System der Firma hatte offenbar jedem externen Versuch, es zu hacken, standgehalten. Sonst wäre es nicht nötig gewesen, sie hier quasi einzuschleusen.
    
    Die Entführer wussten, dass man die Daten selbst hier am Firmenrechner nicht einfach kopieren konnte. Es gab schlicht keine Ausgangsports. Und ein Zugriff auf die Forschungsdateien war nur mit genau einem Programm möglich - desjenigen, das Sophie gerade zum Durchscrollen benutzte. Selbstverständlich wies es keine Funktionalität zum Ändern des Abspeicherortes auf. Alle anderen Programme, welche im Betriebssystem diese Forschungsdatei anforderten, würden, gerade jetzt während des bedingten Eintritts, sofortigen Alarm auslösen.
    
    Durch das visuelle Anschauen und Aufzeichnen war die Datenmenge, die Sophie auf diese Weise stehlen konnte, allerdings stark begrenzt.
    
    Warum es eine so kurz bemessene Zeitvorgabe von 45 Minuten von Seiten der Verbrecher gab, wusste Sophie nicht. Ob es weitere Sicherheitsvorkehrungen hier bei Glofoko gab?
    
    Und auch die Kardinalfrage blieb weiter ungelöst: Warum hatte man sie, Sophie Albers, entführt und nicht Sonja Meyer, die doch wirklich hier arbeitete und jederzeit vollen Zugang besaß?
    
    Sophie schaute auf die Uhr und auf die beiden senkrechten Scrollbalken der Dateien. Sie lag gut in der Zeit. Dennoch erhöhte ...
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