1. Marlen macht einen Fehler


    Datum: 20.09.2026, Kategorien: Reif

    ... Missverständnisse mehr, keine unnötigen Komplikationen.
    
    Doch Max schüttelte den Kopf. "Dafür ist es doch etwas spät", meinte er ruhig. Er sprach nicht Horsts Namen aus, und ich verstand sofort, warum. Er wollte Horst keinen Platz zwischen uns geben, keinen offiziellen Raum in unserer Ehe schaffen, selbst nicht in unserer Konversation.
    
    Es war eine subtile, aber klare Geste. Dann kam der kleine Stich, der mich innehalten ließ. "Du bist doch eine erwachsene Person, du musst doch damit umgehen können", sagte er. "Außer, du weißt selbst nicht so genau, wie du zu ihm stehst."
    
    Das traf mich. Es war keine Anklage, sondern eine Feststellung, die mich direkt mit meiner eigenen Verantwortung konfrontierte. Max legte den Ball in mein Feld, machte mir klar, dass ich es entscheide, wie es zwischen mir und Horst weitergeht. Diese Erkenntnis war wie ein kleiner Schlag, aber auch wie ein Weckruf. Ich hatte es sofort verstanden.
    
    Ich bin erwachsen, ich bin eine verheiratete Frau und ich liebe meinen Mann. Es gab keine Zweifel an meinen Gefühlen für Max. Meine Unbedarftheit vom Vortag war ein Fehler, den ich nicht wiederholen würde. Ich versicherte ihm, dass ich den nötigen Abstand einhalten und Horst keine falschen Signale senden würde. Ich spürte Max' Vertrauen in mich, und das war mir Ansporn genug.
    
    Nachdem wir uns noch eine Weile unterhalten und die tiefe Verbundenheit unserer Nacht genossen hatten, rief ich Horst an. Ich hatte seine Nummer nach der Chorprobe ...
    ... eingespeichert, für den Fall, dass wir uns bezüglich der Ausstellung kurzschließen müssten. Ich schlug vor, uns direkt vor der Kunsthalle zu treffen.
    
    Mir war wohler dabei, alleine dorthin zu fahren. Ich fuhr mit dem Bus zum Hauptbahnhof und von dort mit der Bahn. Es war eine kurze Fahrt, und vom Hauptbahnhof waren es nur noch fünf Minuten zu Fuß zur Kunsthalle. Ich genoss die Ruhe der Fahrt, nutzte die Zeit, um meine Gedanken zu sammeln und mich auf die Ausstellung zu freuen, aber auch, um meine innere Haltung zu Horst zu festigen.
    
    Als ich an der Kunsthalle ankam, wartete Horst bereits. Ich sah ihn schon von Weitem. Er trug einen langen Kaschmir Mantel, und darunter blitzte ein schicker Anzug hervor. Er sah wirklich elegant aus, und es gefiel mir. Für mich zeigte es seinen Respekt der Kunst gegenüber, eine Wertschätzung für den Anlass.
    
    Später wurde mir klar, dass er sich eigentlich nur für mich so schick gemacht hatte - eine Geste, die ich dann noch mehr zu schätzen wusste, auch wenn sie mich gleichzeitig etwas unbehaglich machte. Ich selbst hatte ein dunkelblaues Kleid gewählt, das meine Kurven auf elegante Weise betonte, aber keinesfalls ordinär wirkte.
    
    Darüber trug ich eine schicke lange Jacke, und meine Schuhe waren hoch, aber nicht übertrieben. Ich wollte mich wohlfühlen und gleichzeitig angemessen für die Ausstellung gekleidet sein.
    
    Als ich näherkam, kam er mir entgegen. Er lächelte mich an, ein offenes, freundliches Lächeln, das keine Spur von der Anspannung des ...
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