1. Marlen macht einen Fehler


    Datum: 20.09.2026, Kategorien: Reif

    ... Namen, und meine Neugier war sofort geweckt.
    
    Es waren Künstler, die ich kannte und schätzte, deren Werke ich aber noch nie im Original außerhalb eines Museums gesehen hatte. Die Vorstellung, diese Bilder in privater Atmosphäre betrachten zu können, war verlockend.
    
    Das Gespräch über die Kunst in der Ausstellung hatte mich so sehr in den Bann gezogen, dass ich am liebsten sofort weitergesprochen hätte. Horst spürte meine Begeisterung. Er blickte kurz zu mir und sagte dann, seine Stimme ruhig und einladend: "Es ist ja noch nicht so spät. Wenn du möchtest, könnten wir zu mir fahren. Dort könnten wir noch einen Kaffee trinken und du könntest dir die Bilder ansehen."
    
    In diesem Moment vergaß ich alles - Max, das Versprechen, die klare Grenze, die ich eigentlich ziehen wollte. Die Aussicht, seltene Originale zu sehen, die Neugier, die mich packte, war zu groß. Es war eine intellektuelle Verführung, der ich nicht widerstehen konnte.
    
    Ich nickte. "Das würde ich sehr gerne", sagte ich, meine Stimme war ein wenig zu enthusiastisch, aber ich konnte es nicht ändern. Die Entscheidung war gefallen, und mit ihr eine leichte Aufregung, die ich nicht nur der Kunst zuschrieb.
    
    Horst bog in eine ruhige Straße ein, die sich am Elbufer entlangschlängelte. Kurz darauf bog er in eine Auffahrt ein, die zu einer beeindruckenden Villa an der Elbe führte. Ich war zusätzlich beeindruckt. Das Haus strahlte eine ruhige Eleganz aus, und der Gedanke, dass Horst hier lebte, gab ihm eine neue ...
    ... Dimension. Er schien ein Mann mit einem vielschichtigen Leben zu sein, das weit über den Chor hinausging.
    
    Wir traten ein, und die Villa war genauso geschmackvoll eingerichtet, wie ich es mir vorgestellt hatte: hohe Decken, edle Hölzer, und überall schienen Kunstwerke zu hängen, die darauf warteten, entdeckt zu werden.
    
    Im Wohnzimmer, das einen atemberaubenden Blick über die Elbe bot, reichte mir Horst einen weiteren Prosecco zur Begrüßung. Wir setzten uns auf ein großes, bequemes Sofa, und der Blick auf das glitzernde Wasser war tatsächlich beruhigend und wunderschön.
    
    Horst erzählte dann, seine Stimme wurde sanfter, nachdenklicher, von seiner Frau. "Genau hier", sagte er, seine Augen blickten hinaus auf die Elbe, "saßen Marita und ich oft. Wir haben diesen Ausblick so genossen." Seine Stimme war leise, voller Melancholie, aber auch einer tiefen Zuneigung. Er sprach von der Leere, die ihr Tod hinterlassen hatte, von den vielen Abenden, an denen er alleine hier gesessen hatte.
    
    Dann drehte er sich zu mir, seine Augen suchten meine. "Du hast mir diesen Augenblick geschenkt, Marlen, mit deiner Anwesenheit. Ich danke dir dafür."
    
    Ich war überrascht von seiner Offenheit. Er sprach so ruhig und ehrlich, dass ich die aufkommende Unsicherheit in mir für einen Moment vergaß. "Ach, das war doch nichts", sagte ich, bemüht, die Situation zu entdramatisieren.
    
    Doch kaum hatte ich es ausgesprochen, spürte ich seinen Arm, der sich sanft um meine Schulter legte. Es war eine ...
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