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Zyklus der Verführung
Datum: 05.10.2026, Kategorien: Reif
... sich schließen. Langsam. Würde die Schuhe ausziehen. Würde an das Klavier treten. Und ihre Finger über das schwarze Holz gleiten lassen. Würde ihn nicht ansehen. Und dann würde sie sagen: "Spiele weiter. Aber berühre mich dabei." Und er würde es tun. Mit beiden Händen. Und mit aller Lust. Welle der Lust Er spürte sie noch nicht -- nicht körperlich. Nicht mit Händen, Lippen, Zunge. Und doch war sie da. In den Tönen, in den Schwingungen, in der aufgewühlten Luft zwischen den Tasten und dem Raum. Eine unsichtbare Frau. Eine fremde. Und doch -- wie ein Instrument, das auf ihn wartete. Die erste Welle kam mit dem arpeggierten Abgrund, dieser schattenhaften Bewegung der linken Hand. In ihr vibrierte nicht nur ein musikalisches Motiv, sondern ein Begehren, das sich durch die Räume zog wie ein elektrischer Strom. Eine Einladung. Keine Stimme hatte ihn gerufen, keine Berührung ihn geweckt. Nur Klang. Und Klang allein war schon Berührung genug. Er spielte, als sei das Klavier ihr Körper. Schwarz und weiß, wie die Gegensätze, die ihn zur Raserei trieben: Zärtlichkeit und Gewalt, Kontrolle und Aufgabe, Geist und Fleisch. Jeder Anschlag war ein Stoß, eine Bitte, ein Befehl. Jede Pause -- ein Atemzug, ein Innehalten vor dem nächsten Vorstoß. Die Wellen rollten. Er spielte mit linker Hand eine Linie, die bebte -- nicht nur vor Technik, sondern vor innerer Gier. In seiner Vorstellung formte sich ihr Rücken, ihre Brust, ihre Lenden, ihre Lippen. Jene unten wie jene oben. ...
... Geöffnet oder noch nicht. Weich. Feucht. Glühend. Er sah sie, in Gedanken: das schwarze Kleid halb offen, das Haar über die Schulter gefallen, die Lippen leicht geöffnet -- nicht zum Sprechen, sondern zum Seufzen. Oder um zu empfangen. Die Melodie kletterte. Ein Crescendo, das einer Erregung glich, die sich nicht mehr zurückhalten ließ. Sein Daumen traf eine Taste mit solcher Wucht, als wäre sie ihr Herz. Sein kleiner Finger streichelte die Oktave, als wäre sie ihre Hüfte. Und alles dazwischen war sie selbst -- jeder Akkord, jeder Übergang, jeder gebrochene Sprung. Er hörte die Musik nicht mehr. Er fühlte sie. Als wär's ihre Haut. Und was sie auslöste, war keine Ehre mehr, keine Komposition, sondern pure, sinnliche Besessenheit. Ein Klangrausch, der nicht mehr zwischen Kunst und Körper unterschied. Da war die Stelle -- wie eine Klitoris aus Klang: empfindlich, vibrierend, unendlich sensibel. Er spielte sie, immer wieder, wie in Trance. Und mit jeder Wiederholung dachte er: So werde ich sie berühren. Genau da. Und immer wieder. Und sie wird nicht fliehen. Sie wird sich wölben, beben, erbeben. Der Rhythmus war sein Atem geworden. Die Dynamik seine Erregung. Die Pausen -- ihr Flehen. Und als die erste Kadenz kam, war es, als würde er sie mit geöffneten Händen über die Tastatur legen. Nackt. Ausgeliefert. Bereit. Er spielte nicht mehr allein. Sie war da. Im Raum. Im Klang. In ihm. Ihre Haut -- ein Flirren zwischen den Akkorden. Ihre Scham -- ein Geheimnis, das ...