1. Blind Dates


    Datum: 16.10.2026, Kategorien: Erotische Vereinigung,

    Blind Dates
    
    Köstliche Versuchung
    
    Dorian wachte auf und griff nach seiner Uhr. Er drückte den Knopf und hörte sich die Ansage an: „Es ist acht Uhr und fünfundzwanzig Minuten", sagte eine elektronische Stimme. Ja, die Sprachausgaben waren mit den Jahren besser geworden, aber dennoch klang es eben etwas künstlich.
    
    Er seufzte kurz, rollte sich auf die andere Seite und öffnete die Augen. Er konnte nichts sehen, was ihn aber auch nicht wunderte: Er ließ immer alle Rollos runter und bisher hatte sie sicher keiner für ihn geöffnet. Er wohnte schließlich allein, auch wenn seine Freundin Fiona schon zweimal hier übernachtet hatte. Als er daran dachte, wurde ihm etwas wärmer ums Herz. Er musste zugeben, dass es ihn voll erwischt hatte. Er schämte sich nicht direkt dafür, dass er eine Morgenlatte bekam, aber er war sich eben überhaupt nicht sicher, ob dies nur der Tageszeit und seinem Erwachen geschuldet war, oder eben dem Gedanken an sie. Eine Erinnerung von vor ein paar Tagen drängte sich ihm nur allzu deutlich auf: Sie hatten dagelegen, sie in ihrem Pyjama, er mit Shorts und T-Shirt, und sich ganz nah aneinandergeschmiegt. Er liebte alles an ihr: Den Duft ihrer Haare, das Gefühl ihrer Haut unter seinen Fingern, den Klang ihrer Stimme, wenn sie mit ihm sprach. Nur ihren Anblick, dazu konnte er nichts sagen, denn Dorian war blind. Das hinderte weder ihn noch sie daran das Gegenüber nicht nur von der Art her, wie sie waren, attraktiv zu finden, sondern auch zu einem nicht ...
    ... geringen Teil rein körperlich. Natürlich hatte Dorian keine Vorstellung davon, wie die vermeintlich idealen Frauen auszusehen hatten, hatte er doch noch nie Pornos anders als mit dem Ohr ‚sehen' können. Er war stattdessen dazu übergegangen, sich entweder Hörbücher mit etwas pikanterem Inhalt anzuhören oder mit Hilfe seines Computers und der speziellen Tastatur erotische Literatur zu ertasten: Die Texte wurden Zeile für Zeile in Braille-Schrift dargestellt, so dass er sie quasi erfühlen konnte. Er musste lachen: War es so schon für Sehende sicherlich schwierig, mit einer Hand die Maus zu bedienen und sich mit der anderen einen runterzuholen, war es für ihn nochmals ungleich schwerer, wenn er dann auch noch mit einer Hand lesen wollte. Andererseits war die Technik vorangeschritten und Texte konnten nun ohne Probleme vorgelesen werden. Dennoch behielt er sich die Angewohnheit bei, sie mit den Fingern zu lesen, da die Betonung beim Vorlesen durch den Computer oft komplett falsch klang. Da wollte er sie sich lieber selbst vorstellen.
    
    „Egal, erstmal aufstehen!", riss er sich von seinen abschweifenden Gedanken los und ging zur Tür. Dort bediente er die Tasten, dass sich alle Rollos öffneten, ohne dass er jedes einzelne hochziehen musste. Smart Home war schon praktisch. Er bekam während des Studiums ein kleines Stipendium bezahlt und die Schwerbehinderten-Beihilfe war auch gut, wenn auch kaum ausreichend, so dass er sich diese Wohnung leisten konnte. Würden seine Eltern ihn nicht noch ...
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