1. Blind Dates


    Datum: 16.10.2026, Kategorien: Erotische Vereinigung,

    ... unterstützen, hätte er niemals eine eigene Wohnung haben können oder er hätte hungern müssen.
    
    Dorian ging rüber zum Kleiderschrank, ertastete in den Nähten und Schildchen an den Bügeln den Marker, der ihm sagte, was er in der Hand hatte und in welcher Farbe. Ihm war es eigentlich egal, aber mit den Jahren hatte er gelernt, dass ein gelber Pulli mit einem orangenen Shirt darunter für Irritationen bei der sehenden Bevölkerung sorgte, zumal er eine kurze Phase hatte, in der er am liebsten eine grüne Jeans angezogen hatte, die einfach mega gut gepasst hatte. Er schauderte, als er daran zurückdachte, dass er dieses Outfit einmal Fiona vorgeführt hatte. Ihr zu lauschen, wie sie krampfhaft versucht hatte ein Lachen zu unterdrücken, war schon etwas fies gewesen. Als er dann noch gefragt hatte, ob es wirklich so schlimm sei, war sie lachend zusammengebrochen und er hatte erst ihren Mund geküsst, um sie zum Schweigen zu bringen, dann die Lachtränen auf ihrer Wange geschmeckt.
    
    Heute wollte er sicher nicht dafür sorgen, dass sie so über ihn lachen musste. Also wählte er eine schlichte, schwarze Jeans, ein dunkelblaues T-Shirt und ein passendes Sweatshirt dazu. Das Wetter an diesem spätsommerlichen Tag war noch halbwegs gemäßigt. Es war Mitte August und er freute sich darauf, die Sonne auf der Haut zu spüren.
    
    Er schnappte sich noch schnell eine Boxershorts, dann ging er sicheren Schrittes zum Bad und nahm eine Dusche. Er wohnte immerhin schon über ein halbes Jahr hier und ...
    ... mittlerweile kannte er jede Ecke in seiner Wohnung. Für einen Blinden war es essenziell, dass er sich gut in seiner eigenen Wohnung auskannte. Nur so war ein Alltag ohne blaue Flecken, zerdeppertes Geschirr und hohen Zeitaufwand überhaupt denkbar.
    
    Nach der Dusche las er noch ein wenig in dem neuen Harry Potter-Band, bis es zehn Uhr wurde. Dann schnappte er sich seinen Langstock, den die meisten aber nur unter dem Begriff „Blindenstock" kannten. Er klappte ihn bereits im Treppenhaus auf, da die Mitbewohner des Hauses immer mal wieder vergaßen, dass er abgestellte Mülltüten, verlorene Einkäufe oder ähnliches nicht einfach sehen konnte wie sie. Nachdem er einmal fast die Treppe runtergestürzt war, hatte er das Treppenhaus nur noch mit Langstock betreten.
    
    Er wollte Fiona bei ihrer Arbeit abholen, mit der sie sich ein Zubrot verdiente. An der Bushaltestelle wartete er, bis um 10:20 Uhr ein Bus vorfuhr. Er konnte ihn schon aus der Ferne hören, auch wenn der restliche Verkehr es etwas erschwerte.
    
    „Guten Morgen. Linie 12?", fragte er in den Bus hinein.
    
    „Ja klar, kannste etwa nicht lesen?", herrschte ihn der Busfahrer an.
    
    „Schon, aber nur mit den Fingern", grinste Dorian den Fahrer an. Er konnte dessen Erröten am Zögern und Luftholen fast schon sehen.
    
    „Ah, äh...hey, tut mir leid. Ja, das ist die Linie 12", stotterte dieser schließlich, „Kann ich irgendwie helfen?", bat er als Entschuldigung an.
    
    „Alles gut. Passiert den besten, wenn sie sich auf die Straße konzentrieren. ...
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