1. Valerie - Geschichte eines Lebens


    Datum: 25.06.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    ... von heute nannten diese Hits bereits Oldies, was mich schmunzeln ließ. Die Zeit vergeht so schnell, dachte ich und schüttelte leicht den Kopf.
    
    Wie erwartet, war der Verkehr, trotz der vorangeschrittenen Stunde, mal wieder chaotisch. An jeder Ampel musste ich stehen bleiben, ohne auch nur einen Meter voranzukommen. Besonders schlimm war es am Regents Park und an der Baker Street, wo große Baustellen den Verkehrsfluss zum Erliegen brachten.
    
    An der nächsten Kreuzung erblickte ich sie, ein junges dunkelhäutiges Mädchen, das verblüffende Ähnlichkeit mit meiner Sue hatte. Sie stand an der Haltestelle und wartete auf den Bus. Ein Schwall von Gedanken und Erinnerungen schoss durch meinen Kopf. Doch das Hupen der anderen Verkehrsteilnehmer riss mich aus meiner Gedankenwelt und brachte mich zurück zur Realität. Ich legte den Gang ein und setzte meinen Weg fort. Nun war es nicht mehr meine Wohnung, die ich ansteuerte. Ich musste zu Sue.
    
    Sie war das, wonach ich mich in diesem Augenblick sehnte. Mit jeder Meile, die ich ihr näherkam, wuchs meine Lust und Erregung. Ich spürte bereits die Feuchtigkeit in meinem Höschen, während ich Brixton erreichte, nachdem mir die Fahrt wie eine Ewigkeit vorgekommen war. Dies war kein Viertel, das man üblicherweise nachts besuchte, aber es war ihr Zuhause, ihr Arbeitsort, der Ort, an dem sie auf mich wartete.
    
    Ich fand einen Parkplatz vor dem indischen Imbiss, der sich unterhalb von Sues Behausung befand. Der Gestank, der mir entgegenschlug, ...
    ... als ich die verrottete Tür öffnete, war nahezu unerträglich. Die Tür war seit Jahren defekt und wurde nie repariert. Der Flur roch nach altem Urin, abgestandenem Zigarettenrauch und dem verfaulten Essen des Imbissbetreibers.
    
    Vorsichtig stieg ich die knarrende Treppe hinauf, die bei jedem Schritt gefährlich knackte. Das Holz war morsch, die Farbe längst abgesplittert. Die einst weißen Wände hatten einen grauen Farbton angenommen, der die Tristesse des Ortes widerspiegelte. Schließlich stand ich vor ihrer Tür. Das Namensschild hing nur noch an einem Nagel und baumelte nach unten, als würde es jeden Moment abfallen.
    
    Ich atmete tief durch und klopfte an die Tür.
    
    „Scheiße, was willst du hier, Valerie?", raunte Sue, während ihre großen braunen Augen mich mit Verachtung fixierten. Ihre Stimme klang bitter und voller Ablehnung. „Hau ab."
    
    „Sue. Bitte lass mich rein", flehte ich sie an.
    
    Die dunkelhäutige Schönheit hielt die Tür fest in der Hand und versperrte mir den Weg. Ihr Gesicht war gezeichnet von Misstrauen und Enttäuschung. „Eine Tür weiter findest du das, was du willst. Geh zu ihr."
    
    „Nein, ich will dich", erwiderte ich mit dem herzlichsten Lächeln, zu dem ich mich zwingen konnte. „Du bist einfach die Beste."
    
    „Scheiße, nein. Ich habe keinen Bock mehr auf deine scheiß Spielchen", fauchte Sue mich an und ließ die Klinke los, um mir widerwillig den Eintritt zu gestatten.
    
    Die Wohnung, in die ich eintrat, war jenseits von schön. Die zusammengewürfelten Möbel ...
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