-
Rehabilitationsmaßnahmen 02
Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... Ein Gebläse wurde aktiviert und Blasen wie in einem Whirlpool begannen immer stärker zu pulsieren. Und dann marschierte diese ganze verrückte Aktion von meinen Fersen die Beine hinauf, stimulierte auf nicht unangenehme Art und Weise meinen Hintern um bis zu meinen Schulterblättern zu gelangen. Das Schauspiel dauerte etwas über 5 Minuten, die Maschine stoppte dann ganz kurz und wiederholte alles noch dreimal. Ich war hin und weg und wäre so den ganzen Tag gerne liegen geblieben. Aber ich drückte die Klingel und der Ton der daraufhin erklang, hörte sich an, als wäre man mit einem Pkw in einen Hühnerschwarm gefahren. Das war eine Art Humor, die auf meiner Wellenlänge lag. Und seit diesem Tag hieß die Hydrojet-Massage bei mir „ABM" (Arschbackenmassage). * * * So, jetzt vor dem Mittagessen, noch schnell die verschwitzten Klamotten gewechselt und dann vor auf Station, um die Blutzuckerwerte zu bestimmen. " 91", meinte die Schwester, " das gibt es doch gar nicht. Sagen sie mir, was haben Sie genommen?" "Gar nichts", gab ich zurück, "vielleicht ist es nur eine Kopfsache. Auf die Art und Weise habe ich mir vor 31 Jahren auch das Rauchen abgewöhnt. Einfach nicht daran denken." "Witzbold", meinte sie etwas eingeschnappt, "ich will sie noch einmal vor dem Abendessen sehen und dann messen wir noch einmal." Ich schenkte ihr ein charmantes Lächeln und begab mich zum Aufzug um in den Speisesaal zu gelangen. Ein kurzer Blick auf die Karte und mir war klar, was ich ...
... essen würde. Badische Käsespätzle mit Röstzwiebeln und einem gemischten Salat würden mir wohl zu Gesicht stehen. Ich ließ mir gegen meinen eigenen Willen eine Seniorenportion geben und als ich sah, was der Koch in der Schöpfkelle hatte, ließ ich alles um die Hälfte reduzieren mit der Bemerkung: "Bitte nur für eine Person, auch wenn ich nach mehr ausschaue." Der Koch verschluckte sich fast vor Lachen, kam aber meinen Forderungen nach. Ich nahm mein Tablett, holte mir als Nachtisch eine Banane und eine Tasse Schwarztee und wackelte zu meinem Tisch. Leer, noch keiner da, ich war mal wieder der erste. Ein kurzer Blick zum Eingang und ich sah Prof. Selim hereinkommen und zur Speisenausgabe gehen. Und dann saß ich wie erstarrt da. Eine junge Frau kam in den Raum, die ich noch nie gesehen hatte. Ich starrte auf meine Spätzle. Das muss ein Traum sein, dachte ich. Eine Ärztin, vielleicht eine Schwester, die für einen Patienten das Essen holte. Und dann bemerkte ich, wie dieser Traum zu unserem Tisch kam. Das ist nicht real, das träumst du nur, sagte ich mir. Das tat ich nicht. Sie zog sich den Stuhl neben mir vom Tisch weg, nahm Platz und lächelte mich freundlich an. "Hallo, ich bin ihre neue Tischnachbarin Elena H. und für die nächsten Wochen an ihrer Seite." Ich verschluckte mich fast, gab aber gleich die meiner Meinung nach passende Antwort. "Wenn es meinem Heilungsprozess förderlich ist, dann hätte ich ganz und gar nichts dagegen." Und dann ...