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Rehabilitationsmaßnahmen 02
Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... Nahrungsaufnahme des Tages genussvoll gestalten und nicht alles eilig in mich hineinschlingen. Das soll ungesund sein, habe ich gehört. Außer mir war nur Prof. Dr. Selim, der türkische Arzt mit Herzinsuffiziens am Tisch. Wir schwatzen kurz über das Motoradfahren und dann schauten wir, dass wir zu unseren Anwendungen kamen. Zuerst bekam ich ein 24Stunden-Blutdruckmessgerät verpasst und war erstaunt, wie klein diese Dinger geworden waren. Vor 15 Jahren waren das noch Stromgeneratoren in der Größe eines kleinen AKW gewesen, jetzt waren sie auf Walkmanformat geschrumpft. Aber das Brummen alle Viertelstunde, das Armabquetschen und das dazugehörende Schnarren des Kastens waren immer noch so nervig wie damals. Ich fragte mich allen Ernstes, wie ich die Nacht überstehen sollte. Kaum war ich bestückt, ging es auch schon zum Ergometertraining. Was war ich froh, dass ich die Binden abgelehnt hatte, denn bei einigen anderen hatten sie sich beim Strampeln gelockert und das sah genau so lächerlich aus, wie ich es mir in meiner Phantasie vorgestellt hatte. Ich hatte mit einem Ruhepuls von 62 begonnen und nach 20 Minuten Belastung, in denen ich ganz schön ins Schwitzen gekommen war, lag mein Höchstwert bei 75, was bei dem Therapeuten ein leichtes Stirnrunzeln und ungläubige Blicke hervorrief. Die anderen hatte alle Werte zischen 85 und 110, aber mir war das Ganze gar nicht so anstrengend vorgekommen und so gab ich als Bewertung eine Zwei ab. Eine Eins akzeptierte die Therapeutin ...
... nicht, so etwas gäbe es nur wenn man auf der Couch liegt und faulenzt. Außerdem schob ich meinen niedrigen Ruhepuls auf die Tatsache, dass ich nicht ausgeschlafen und daher noch müde war. Dann ging es zur Koronar-Basis, wo wir mit Bällen spielten und jonglierten. Die 30 Minuten waren auch schnell vorbei und ich hatte nur 10 Minuten Zeit um zur Hydrojetmassage zu kommen. Unter diesen Begriff konnte ich mir nichts vorstellen. Überwassermassagen kannte ich doch einige, aber Hydro bedeutete doch Wasser. Also Augen zu und durch. Der Therapeut nahm mich in Empfang und meinte zweideutig: "So, jetzt werden sie endlich mal verwöhnt." Er führte mich in einen voll verglasten Nebenraum in dem eine riesige Luftmatratze in einem massiven Rahmen stand. "Sie können alles anlassen und brauchen auch den Oberkörper nicht freimachen. Setzen sie sich auf die Umrandung, rutschen sie etwas nach hinten und dann legen sie sich auf den Rücken. Das ist alles." Jetzt hatte ich begriffen, das Ganze war wie ein Wasserbett. Ich lag sehr bequem und streckte mich wohlig. Ich bekam eine elektronische Klingel in die Hand gedrückt. "Damit können sie mich rufen, wenn etwas nicht in Ordnung ist und wenn das Programm abgelaufen ist. Ich wünsche wohl und entspannt zu ruhen." Er rückte einige Male auf eine Tastatur über meinem Kopf und verließ den Raum. Und was dann geschah, war sogar mir neu. Ein leichtes Vibrieren setzte ein, es begann bei meinen Fersen und wurde mit der Zeit immer stärker. ...