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Rehabilitationsmaßnahmen 02
Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... sonst wäre eine Dialyse angesagt und sowas konnte ich gar nicht gebrauchen. Ich habe die nächsten Tage die meiste Zeit geschlafen und nicht besonders viel mitbekommen. Melanie kam ins Krankenhaus, brachte mir meinen "Notfallkoffer", durfte mich aber noch nicht besuchen, da ich noch auf Intensiv lag und noch nicht über den Berg war. * * * Samstag, 20. Mai 2023 Am 6. Tag wurde ich auf die Normalstation verlegt, da sich meine Werte in einem akzeptablen Rahmen bewegte und ich nicht mehr unter ständiger Aufsicht sein musste. Melanie durfte endlich zu mir und war ziemlich verzweifelt. Nachdem ich sie etwas beruhigen konnte, nahm ich ihre Hand und versprach ihr dass ich mich in Zukunft mehr um meine Gesundheit kümmern und ordentlich abnehmen würde. Federica meinte: "Papa und dünn? Das geht doch gar nicht. Dafür kocht und isst er doch viel zu gerne." "Ich werde dafür sorgen, dass er das Richtige kocht und isst", meinte Melanie. "Mehr Salat, mehr Gemüse und weniger Soßen, die mit viel Sahne gemacht werden, viel Fisch gedünstet und mehr Obst, also keine zuckerfreien Fruchtbonbons." Sie lachte und die Kinder stimmten mit ein, als sie mein entsetztes Gesicht sahen. Himmel hilf, ich sah üble Zeiten auf mich zukommen. Die Schwestern und Pfleger haben sich rührend um mich gekümmert und ich hatte auch sehr intensive Gespräche mit den Ärzten. Besonders Schwester Gerlinde besuchte mich sehr oft auf dem Zimmer. Obwohl sie die Oberschwester auf der Intensivstation war, ...
... war sie zu der Ansicht gekommen, es wäre nicht gut für mich, wenn ich alleine in einem Dreibettzimmer untergebracht wäre. Sie sagte immer sie wolle verhindern, dass ich vereinsame unter all den anderen Patienten. Obwohl ich sagen muss, dass ich eigentlich immer Gesellschaft hatte, was ihr manchmal gar nicht so passte. Neben Melanie und den Kindern, die sie nicht unsympathisch fand, waren das vor allem wenn die Stationsärztin, eine junge Iranerin und deren Assistentin, eine hübsche Libanesin. Wenn die bei mir aufkreuzten, dann sank ihre Laune gleich in den Keller. Ich konnte sie aber beruhigen, indem ich ihr versicherte, dass mir die Person wichtig wäre und es mir nicht auf den Titel ankäme, denn Titel sind Schall und Rauch. Ein toter Minister ist nicht anders tot als ein verstorbener Gemeindearbeiter. Leider war diese schöne Zeit schon nach 4 Tagen vorbei, als mir die Ärztin mitteilte, dass ich am nächsten Tag nach Hause gehen könnte. Was heißt hier gehen, ich erhielt einen Transportschein und ein Taxi wurde für mich bestellt. Schwester Gerlinde war sehr traurig, dass ich sie schon so schnell verlassen würde und meinte, dass ich sie sicher bald vergessen würde. Dem widersprach ich vehement, zog sie an mich und sagte ihr sehr eindringlich: "Wie könnte ich die Frau vergessen, der ich mit Sicherheit mein Leben verdanke. Wenn du auf der Intensivstation nicht sofort lebensrettende Maßnahmen eingeleitet und die Ärzte alarmiert hättest, dann könnte ich heute nicht vor dir stehen ...