1. Schicksalsschläge


    Datum: 10.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    Der zweite Anlauf
    
    Nach einem Schlaganfall und Herzinfarkt habe ich beschlossen wieder mit dem Schreiben anzufangen. Nicht nur dass es meinem Selbstbewusstsein gut tut, es fördert auch meine Mobilität und die Beweglichkeit meiner Finger. Und was mich noch sehr anstrengt, ist über einen längeren Zeitraum meine Konzentration aufrecht zu erhalten und meine Gedanken logisch zu verarbeiten. Noch bin ich in Bad Krozingen in einer Reha-Klinik, aber die Ärzte und Therapeuten sind ausgesprochen kompetent, erfahren und hilfsbereit. Eine Geschichte davon wird auch noch dieses Jahr erscheinen; ich schreibe jeden Tag ein wenig, so wie es geht, aber das dauert noch. Gott sei Dank bekomme ich tatkräftige Hilfe von meiner Familie und von Freunden, denn noch kann ich noch nicht alles alleine machen. Ich habe diese Story schon vor 2 Jahren angefangen, aber erst jetzt, da ich notgedrungen sehr viel Zeit habe, weitergeführt und abgeschlossen. Meine Reha ist erst zwei Wochen alt, aber ich habe jetzt schon eine Verlängerung bekommen und weiß nicht, was noch alles auf mich zukommt.
    
    * * *
    
    Diese Geschichte ist ein wenig anders als meine anderen, auch wegen der Erfahrungen, die ich die letzten Wochen machen durfte. Nicht nur eitel Wonne und Sonnenschein, sondern auch Tief- und Nackenschläge formen einen Menschen und machen ihn zu der Persönlichkeit, die man schätzt und auf die man sich im Ernstfall verlassen kann.
    
    Man darf alles machen, nur sich aufgeben, das darf man nicht.
    
    Theo war so ...
    ... ein Zeitgenosse. Eigentlich unscheinbar, änderte sich sein Leben durch mehr als eine Tat, die wohl nicht jeder so gemacht hätte.
    
    Als es darauf ankam, sprang er über seinen Schatten und half wo er nur konnte.
    
    * * *
    
    Theo war Graphiker und Siebdrucker und arbeitete in der Schweiz bei einer großen Sportartikelfirma, die vor allem durch Sponsoring beim Wintersport bekannt war. Skisport und Eishockey waren die beiden großen Standbeine in der kalten Jahreszeit. Und Theo stellte Eishockeyshirts für Vereine in aller Welt her.
    
    Und so unscheinbar Theo privat auch war, in seinem Beruf war er komplett anders. Er verhandelte mit Vereinsvorständen und Sportdirektoren aus aller Welt, mit Captains von Nationalmannschaften und beriet sie bei der Auswahl von Farben und Designs. Man hörte auf ihn, wenn es um Stoffqualität und Farbenauswahl ging und er wurde auch oft zu verschiedenen Turnieren als Beobachter und Gast eingeladen. Er kannte einige Spieler persönlich und hatte schon einige Trikots mit Sponsoren entwickelt und gefertigt.
    
    Er druckte und presste die Trikots mit 2 Helfern und hatte drei Näherinnen, die die Stoffteile mit modernsten Overlock-Nähmaschinen zusammennähten und verpackten.
    
    Er war also rundherum mit seiner Arbeit zufrieden und konnte nach jeder Saison mit einer Anerkennung in Form eines ordentlichen Bonus in Fränkli rechnen.
    
    Aber er musste jeden Tag über 120 km zur Arbeit in die Nähe von Winterthur und zurück fahren, denn Theo wohnte im Hochschwarzwald in ...
«1234...24»