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Schicksalsschläge
Datum: 10.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... Termine aufgearbeitet hatte, dann konnte er sein Anliegen vorbringen. Johann kannte er schon seit der Schule, aber dann trennten sich ihre Wege. Er wurde Graphiker und Siebdrucker, Johann schlug eine Laufbahn als Kommunalbeamter ein. Er hörte sich an, was Theo zu sagen hatte, dann gab er einige Dinge in den Computer ein. Er nahm die Daten von Theo auf und sagte ihm, was er alles noch an Papieren und Unterlagen benötigte. Es würde noch einige Zeit dauern, bis eine Entscheidung getroffen wäre und dann müsste er noch zu einer Untersuchung zum Vertrauensarzt. Danach könne man weiter schauen. Theo fuhr heim und fiel erst einmal in ein tiefes Loch. Stundenlang saß er herum und grübelte, ohne auf ein Ergebnis zu kommen. Zwei Tage aß er nichts, er schlief nicht und dementsprechend sah er aus, als er Johann die Papiere vorbei brachte. Johann schüttelte nur den Kopf als er Theo´s Zustand bemerkte und redete ihm ordentlich ins Gewissen. Dann machte er den Rentenantrag fertig, lies ihn unterschreiben und nachdem er eine Kopie für Theo gemacht hatte, schickte er ihn ab. Theo trollte sich wieder nach Hause und vergrub sich noch einmal für zwei Tage. Dann raffte er sich auf und als er in den Badezimmerspiegel schaute, erschrak er gehörig. Dieser Horrorcharly, der ihn da aus kleinen Augen musterte, war er das? So konnte er unmöglich aus dem Haus zum Einkaufen gehen. Die Leute würden bei seinem Anblick erschrecken. Die nächste Stunde hatte er alle Hände voll zu tun, um ...
... sich wieder auf Vordermann zu bringen. Danach sah er wieder wie ein Mensch aus. Nachdem er sich mit seinen Hilfsmitteln angezogen hatte, war er wieder schweißnass und musste sich noch einmal das Gesicht waschen. Er schrieb sich einen Einkaufszettel, steckte sich seinen Geldbeutel ein und stakste mit seinen Krücken zum Auto. Er fuhr ins Nachbardorf zum Supermarkt. In dem Ortsteil, wo er wohnte war die größte Attraktion eine Bushaltestelle und zwei Papierkörbe. Beim Markt angekommen, holte er sich einen Einkaufswagen, legte seine Krücken hinein und stützte sich auf dem Griff auf. So konnte er ohne seine Stecken einigermaßen bequem und schmerzfrei laufen. Es war kurz nach Mittag und relativ wenige Kunden waren da. Er konnte sich ungestört umschauen, ohne ständig mit Fragen belästigt zu werden oder dauerndes Mitleid in den Augen der anderen zu sehen. Die nächste Stunde lud er seinen Einkaufswagen so voll, als wenn eine Hungersnot bevorstünde. Als es ans Zahlen ging, sah er dass Sylvia an ihrer Kasse saß. Sie war noch genau so hübsch, wie er sie in Erinnerung hatte. Etwas mollig, ein süßes Gesicht und kürzere Haare als das letzte Mal. Dazu passend ein schmale, schwarz umrandete Brille, die aber ihren leichten Silberblick nicht kaschieren konnte. An ihrer Kasse war momentan kein Kunde. Sylvia sah ihn, riss ihre großen braunen Augen weit auf und winkte ihn hektisch zu sich. Theo schob seinen Wagen bis an das Band und begann seine Einkäufe langsam und umständlich ...