1. Schicksalsschläge


    Datum: 10.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... einem kleinen Dorf mit gerade mal 200 Einwohnern. Er arbeitete zwar gerne in der Schweiz, weil das Arbeitsklima sehr gut war und der Verdienst und auch die Rente, die er ansparen konnte, waren mit dem in Deutschland nicht zu vergleichen, aber wohnen wollte er lieber da, wo seine Familie und seine Freunde waren. Bei ihm im Dorf wusste man zwar was er beruflich machte, hatte aber keine richtige Vorstellung davon. Und Theo redete auch nicht besonders ausführlich darüber.
    
    Er galt als unauffällig und war auch nicht gerade im Visier der Weiblichkeit. Er trank und rauchte nicht, gab sein Geld nicht übermäßig aus und auch sein Auto war ein Allerweltsmodell. Das besondere an seiner Reisschüssel war der Allradantrieb, den er für den Winter benötigte, aber ohne ihn gab es das Modell auch gar nicht.
    
    * * *
    
    Eine Freundin hatte Theo nicht. Er war den ganzen Tag weg, auch oft am Wochenende und die zwei Frauen, die es mal mit ihm versuchten, gaben entnervt nach kurzer Zeit auf. Aber es gab schon jemanden, der sein Interesse weckte, eine junge Frau, die er gerne ansah. Sie hieß Sylvia Biehler und war beim Supermarkt im Nachbardorf angestellt. Dort saß sie an der Kasse, immer freundlich und gut gelaunt, so dass Theo schon darauf achtete, wohin er seinen Einkaufswagen schob. Sie wechselten, wenn möglich immer ein paar Worte, aber mehr war da nicht.
    
    Die Eishockey-WM 2004 war vorbei und Theo kehrte nach zwei Wochen wieder in seine Firma zurück. Die Stresszeit beim Drucken war vorbei ...
    ... und es war genug auf Vorrat gefertigt worden, so dass die Teile nur noch in den bestellten Größen gepreßt, genäht und versendet werden mussten.
    
    Er ging mit vorsichtigen Schritten den vereisten, abschüssigen Weg zu seiner Druckerei, hört hinter sich den Motor eines Lkw, achtet aber nicht besonders darauf. Auf einmal vernahm er durchdrehende Räder, das Aufheulen eines schweren Motors und dann spürte er einen heftigen Schlag in seinem Rücken. Ein furchtbarer Schmerz durchfuhr ihn, dann nahm ihm eine barmherzige Ohnmacht das Bewußtsein.
    
    * * *
    
    Theo wachte kurz auf und wusste nicht wo er war. Er lag in einem Raum, der ihm vollkommen unbekannt war und fühlte sich benommen und gefühllos. Eine Menge Messgeräte standen neben ihm und Schläuche und Kabel führten von seinem Kopf, dem rechten Arm und von seiner Brust zu ihnen. Er dachte nach, aber es fiel ihm nicht ein was passiert war.
    
    Eine Schwester kam zu ihm, kontrollierte den Durchfluss des Tropfes und gab ihm eine Spritze in die Kanüle, die auf seinem Handrücken befestigt war.
    
    Wieder öffnete sich die Tür und ein Arzt kam herein. Er zog einen Stuhl zu sich und setzte sich neben Theo´s Krankenliege.
    
    „Ich bin Dr. Frey, Herr Wellmann. Wissen Sie, was passiert ist?"
    
    Theo bewegte seinen Kopf sehr vorsichtig zur Seite.
    
    „Nein", krächzte er.
    
    „Sie wurden von einem Lkw angefahren und schwer verletzt. Sie haben bereits zwei Operationen hinter sich. Die Kopfverletzung haben wir versorgt und die verletzten Lendenwirbel ...
«1234...24»