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Schicksalsschläge
Datum: 10.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... haben wir versteift, weil zwei Bandscheiben vollkommen zerstört waren. Jetzt werden wir die beiden Füße versorgen und wenn Sie wieder auf dem Damm sind, bekommen Sie wahrscheinlich auch noch eine neue Hüfte. Wir müssen aber noch ein wenig warten, da wir ihnen nicht sofort eine weitere Vollnarkose zumuten können. Ruhen Sie sich ein wenig aus, die Schwestern werden ständig nach ihnen schauen. Das Schwesternzimmer ist nebenan und sie bekommen noch einen Rufknopf. Sie sind in einem Lagerraum für medizinisches Gerät und der OP ist direkt gegenüber. Ich werde bis zum nächsten Eingriff noch ein paarmal nach ihnen schauen." Das Gespräch, oder nur das Zuhören strengte Theo sehr an und ihm fielen die Augen zu. Die noch wirksamen Medikamente, die Schmerzmittel und die Nachwirkungen der Narkosen ließen ihn wegdämmern und er bekam nichts mehr mit. * * * Die nächsten Wochen waren ein Albtraum. Ständige Überwachung und Versorgung ermüdeten ihn sehr und immer noch hatte er keine Erinnerung an das was passiert war. Seine Mutter und seine Schwester kamen ihn oft besuchen und redeten viel mit ihm. Und ganz allmählich stellten sich die Erinnerungen wieder ein. Nur der Unfall selbst lag im Dunkeln und der Arzt war der Meinung, das würde auch so bleiben. Er bezeichnete es als Selbstschutz des Körpers und des Geistes. Nach zwei Wochen konnte er zum ersten Mal ohne fremde Hilfe aufstehen, ohne dass es ihm schlecht wurde. Noch wurde er in einem Rollstuhl herum gekarrt, aber seine ...
... Krücken standen schon neben seinem Bett. Die Arbeit mit den Therapeuten war sehr anstrengend, aber er hatte jetzt ein Ziel. Wenn alles gut ging, kann konnte er in drei Wochen zur Reha nach Rheinfelden (Schweiz) und wäre in zwei Monaten wieder daheim. Also biss er die Zähne zusammen und machte mit, wenn auch manchmal mit Tränen in den Augen. * * * Endlich war er wieder zuhause und stellte fest, dass er überall hinkommen konnte, wo er hin wollte. Langsam und vorsichtig zwar und mit Krücken, aber immerhin. Er begann sich wieder einzuleben. Und dann kam der nächste Faustschlag mitten ins Gesicht. Er war bei der Nachuntersuchung bei seinem Hausarzt, als der ihm mitteilte, dass es mit dem Arbeiten vorbei sei. Er würde für den Rest seines Lebens beim Gehen einen Stock benötigen und wenn die neue Hüfte eingesetzt wäre, dann wäre es Essig mit der Druckerei. Zudem wurde auch noch Diabetes II diagnostiziert und er hatte das Riesenglück, dass er nicht spritzen müsste, sondern dass „nur" Tabletten benötigt wurden. Sein Arzt schickte ihn zum Sozialarbeiter, den er gut kannte und sagte, er sollte dort einen Rentenantrag stellen. Theo verließ die Praxis und nahm Platz auf einer kleinen Bank davor. Er musste sich setzen, denn alles drehte sich plötzlich. Er hatte schwere Probleme, das Gehörte einigermaßen zu verdauen. Dann rappelte er sich auf und ging zu Johann, der im Rathaus für Soziales, also auch für Rentenanträge zuständig war. Er musste einige Zeit warten, bis der seine ...