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Nikolaj Nikolajew
Datum: 01.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt,
... überdimensionalen Puffärmel, die bei Damenkleidern derzeit en vogue waren, ehe sie die Tür öffnen konnte. Meinen Schwung nutzend schleuderte ich sie zurück, so dass sie die Balance verlor und zu Boden stolperte, und baute mich drohend vor ihr auf, um ihren Fluchtweg zu versperren. Ich durfte sie nicht entkommen lassen, nicht bevor ich eine Chance gehabt hatte, alles zu erklären. Es war alles ein bedauerliches Missverständnis und großes Versehen. Mit vor Angst geweiteten Augen krabbelte sie rücklings wie ein Krebs auf dem Boden vor mir davon. Natürlicherweise verwirrten sich dabei ihre ausladenden Röcke und enthüllten viel mehr ihrer schlanken Beine, als unter gewöhnlichen Umständen schicklich gewesen wäre. Eines der schmalen Strumpfbänder oberhalb ihres Knies löste sich und rutschte gemeinsam mit dem dünnen Seidenstrumpf zum Knöchel herab, ihre bloße Wade enthüllend. Ich stapfte hinterher, sie um ein Vielfaches an Höhe und Breite überragend. Dabei muss ich einen schrecklichen Auftritt geboten haben, zerzaust, mit Geifer im Bart und einer dicken Schlange, die zwischen meinen nackten Beinen hin und her schwang. Als diese seltsame Verfolgungsjagd sie zurück zum Salon führte und sie mit dem Rücken an den Türrahmen stieß, zog sie sich daran hoch und rannte zu ihrer Schwester, die sich stöhnend vom Sofa aufzurichten versuchte. „Olga, was ist mit dir?", schluchzte die jüngere Schwester, „Was hat er dir angetan?" Fürsorglich half sie ihr in eine aufrechte Sitzposition ...
... und legte empathisch einen Arm um sie. Dabei bemühte sie sich, das zerstörte Kleid soweit zusammenzuhalten, dass es der Älteren ein Minimum an Anstand bewahrte. Olga hatte sichtlich Schwierigkeiten zu verstehen, wo sie sich befand und was geschah. Immer wieder schüttelte sie den Kopf. Die Familienähnlichkeit der beiden war unverkennbar. Polina schien zwei oder drei Jahre jünger als Olga zu sein, ihre Züge etwas schlanker, ihre Augen leuchteten grün, während die ihrer Schwester bräunlich waren. Die Jüngere war nicht so streng frisiert, in ihre Stirn und an den Seiten fielen hübsch gekräuselte Locken herab und im Nacken ein locker geflochtener Zopf. Je nach Lichteinfall schimmerten ihre kastanienbraunen Haare rötlich. Ihr roséfarbenes Kleid war weniger modisch, wenngleich auch ihre Taille deutlich betont war, mit einer künstlichen, dunkelroten Rose am Dekolleté. Ich nutzte die Verschnaufpause, um die Tür zum Flur hinter mir abzuschließen und den Schlüssel mit einem gezielten Wurf unter die Vitrine zu befördern. Ich wollte in Ruhe mit den zwei Schwestern reden und keinen Eklat verursachen. Es war nichts geschehen, räsonierte ich, über das man nicht mit ein bisschen gesundem Menschenverstand und gutem Willen hinwegsehen könnte. Ich bewegte mich auf die beiden zu, die Hände zu einer, wie ich meinte, beschwichtigenden Geste erhoben. In Reaktion darauf erhob sich Polina, baute sich drohend vor mir auf, obwohl sie zwei Häupter kleiner war als ich, und fauchte mich wie eine ...