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Nikolaj Nikolajew
Datum: 01.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt,
... möglicherweise über die Runden." Er öffnete eine Schublade und reichte mir daraus ein paar winzige Papierbriefchen. „Was ist das?" „Ein neues Medikament, das ein Forscher in Göttingen erfunden hat. Es hilft gegen Schmerzen, Depression und allgemeine Antriebslosigkeit. Und nebenbei unterdrückt es das Hungergefühl." Ich schüttelte den Kopf und wollte es ihm zurückreichen. „Das kann ich nicht bezahlen." Er schloss meine Faust um die Tütchen und erklärte in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete: „Nimm es. Mein Arbeitgeber überließ es mir, um damit zu experimentieren und die Wirkung und Dosierung exakter zu beschreiben. Mir fehlt ohnehin ein Proband für diese Studien. Berichte mir einfach, wie es auf dich wirkt, nachdem du es genommen hast. Das ist Gegenleistung genug. Leider muss ich jetzt den Laden aufschließen. Du kannst dich aber gerne hier noch weiter ausruhen." „Danke, du hast schon mehr als genug für mich getan. Bis bald." „Bis bald. Ich melde mich." * Ich vertrieb mir den Vormittag mit Spaziergängen. Nachdem ich Dmitrijs Zwischenmahlzeit verzehrt hatte, fühlte ich mich einige Zeit lang satt. Doch danach kam der Hunger umso nagender zurück. Zurück in meinem Zimmer öffnete ich skeptisch eines der Briefchen. Darin fand ich ein weißes Pulver, das einen leicht blumigen Duft verbreitete, vermischt mit unterschwelligen chemischen Gerüchen. Die positiven Wirkungen, die mein Freund beschrieben hatte, wollten mir ein bisschen zu wunderbar ...
... erscheinen, aber welchen Grund sollte ich haben, an ihm zu zweifeln? Er würde mich gewiss nicht belügen oder vergiften wollen. Und wenn ich ihm bei seiner Forschungsarbeit helfen konnte, indem ich das Medikament ausprobierte, würde ich dies gerne tun. Vorsichtig nahm ich mit der Spitze meines kleinen Fingers ein wenig des Pulvers auf, leckte es ab und verteilte es im Mundraum. Es hatte einen bitteren Geschmack sowie eine leicht betäubende Wirkung auf der Zunge ähnlich wie bei sehr scharfen Pfefferkörnern. Aufmerksam horchte ich in mich hinein, konnte aber keine Veränderung feststellen. Vielleicht hatte ich eine zu geringe Dosis zu mir genommen. Ich beschloss, die Erfahrung schriftlich zu dokumentieren und holte mein Notizbuch hervor. Während ich formulierte und schrieb, spürte ich eine Aufheiterung und Euphorie in mir aufsteigen, wie ich sie schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Bald sprang ich auf. Eine schon vergessen geglaubte Energie erfüllte mich und zwang mich geradezu, hinaus zu gehen und mich zu betätigen. Ich rannte die Treppen hinab und auf die Straße, die ich entlangeilte. Gewiss musste jedermann, der mir begegnete, erkennen, dass ich vor Leben sprühte. Mit hoch erhobenem Haupt schritt ich dahin, grüßte alle und jede, die ich sah, und wollte die ganze Welt an meinem Glück teilhaben lassen. Irgendwann stellte ich fest, dass ich nicht mehr wusste, wo ich mich befand. Die Straßen waren mir unbekannt und außerdem fröstelte ich, denn ich war verschwitzt und ...