1. Kometenhaft 19


    Datum: 19.11.2021, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    Montag 11. Juli
    
    FUCK! Der Wecker riss mich aus dem Schlaf. Zum Glück konnte ich ihn ausschalten, bevor meine beiden Damen auch wach wurden. Ich hasse Montage! Ich sollte heute eigentlich ins Labor, aber ich will Vanessa nicht allein lassen. Also rief ich schnell die Vertretung für den Wannler an. Im Gegensatz zum Alten, zeigte er deutlich mehr Verständnis für die Situation und gab mir heute frei, meine Angelegenheiten zu regeln. Aber morgen müsse er mich dringend sprechen. Er muss mich dringend sprechen? So wichtig bin ich doch auch wieder nicht, oder?
    
    Andrea und Frank waren schon angezogen in der Küche. "Du siehst nicht gut aus. Ihr solltet dringend was dagegen machen!", stichelte Frank gleich los. Ich wurde sofort sauer: "Vanessa wurde gestern fast vergewaltigt! Spinnst du?". Zum Glück war Andrea noch da, die alles deeskalierte, mir aber ins Gedächtnis zurückrief, was zu viel Enthaltsamkeit bedeuten konnte. Ich gab ihnen schließlich ja auch recht.
    
    Andrea lenkte das Gespräch dann nochmal auf den gestrigen Tag, auch wenn ich ihn am liebsten vergessen würde. Sie erzählten mir, was noch war, als der Krankenwagen mit Vanessa und mir weg war. Während Frank die Fragen der Polizisten als Zeuge beantwortete, musste sich Andrea um Mareike kümmern, die ihrerseits einen Zusammenbruch hatte. Mareike hatte sich schon um Vanessa gekümmert, als wir noch den Zombie ruhigstellten. Sie wickelte Vanessa in die Decke ein und hielt sie dann in den Armen, bis ich das übernehmen ...
    ... konnte. Nicht mal Andrea ließ sie an Vanessa heran. Andrea konnte nur hilflos daneben sitzen und mit ansehen, wie auch Mareike in Tränen ausbrach, aber trotzdem immer wieder beruhigend auf Vanessa einredete. Sie kümmerte sich fast schon wie eine Mutter um sie.
    
    Nachdem dann der Krankenwagen weg war, fiel sie einfach nur noch auf die Knie, vergrub das Gesicht in den Händen und heulte, was das Zeug hielt. Andrea hatte alle Mühe mit ihr, sie wieder auf die Beine zu bringen. Als Ablenkung für die zwei, sammelten sie die Überreste des Picknicks zusammen und gingen schließlich mit Frank zurück in die WG. Dort saß Mareike dann unruhig den restlichen Tag eingemummelt in ihren Rolli auf dem Stuhl und wartete auf uns.
    
    Als ich die Schilderungen hörte, ging mir das Herz auf. Konnte es wirklich sein, dass aus dieser widerspenstigen Zicke, ein so sanftes und fürsorgliches Wesen geworden ist?
    
    Andrea und Frank mussten bald in die Hochschule, also wünschte ich ihnen schnell einen schönen Tag und verzog mich mit dem Kaffee wieder in mein Zimmer. Ich will morgens am liebsten einfach nur meine Ruhe.
    
    "Ach übrigens, die Polizei will auch noch eure Zeugenaussage. Ihr sollt heute noch hingehen! Und sieh in dein Postfach.", rief mir Frank beim Gehen hinterher. Na toll!
    
    Die Damen schliefen noch, eigentlich ein friedlicher Anblick, aber die Schrammen in Vanessas Gesicht waren inzwischen deutlicher. Auch wenn es nur leichte Kratzer und ein paar blaue Flecken waren und alles bald verheilt sein ...
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