1. Scheusal


    Datum: 21.12.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    „Guten Abend, Anna-Lena. Ist Deine Mutter zuhause?"
    
    „Ja, einen Moment, ich hole sie."
    
    Es knackte im Lautsprecher der Gegensprechanlage, als sie den Hörer einhängte. Einen kleinen Augenblick später knackte es wieder und er hörte die geliebte Stimme aus dem Lautsprecher.
    
    „Ja, hallo? Wer ist da?"
    
    „Hallo Gabriela. Ich warte auf Dich."
    
    „Was willst Du? Es ist spät."
    
    „Ich weiß. Ich erwarte Dich in fünfzehn Minuten. Sei pünktlich."
    
    Er wußte, daß sie jetzt innerlich kochte, andererseits aber mit sich rang, ob sie dem Verlangen nachgeben soll. Der Türsummer ging und er schlüpfte ins Treppenhaus. Sie konnte es nicht leiden, wenn er vor dem Haus wartete. Vor seinem geistigen Auge lief ein Film ab. Ein Film, den er oft gesehen hatte.
    
    Gabriela ist darin die Hauptfigur. Sie huscht in ihr Schlafzimmer und begibt sich dann in ihren kleinen begehbaren Kleiderschrank. Ihre Blicke schweifen über die Kleiderstangen, die Regale. Dann nimmt sie hier etwas von einem Kleiderbügel, dort aus einer Schublade und dort von einem Regal. Schließlich verschwindet sie im Bad, um sich umzukleiden. Als nächstes legt sie ein dezentes Make-up auf, um sich dann ihren Haaren zu widmen. Schließlich huscht sie zurück ins Schlafzimmer, greift sich ihren hellen Sommermantel und schleicht zur Wohnungstür. Niemand soll wissen, daß sie ein geheimes Rendez-vouz hat.
    
    Tatsächlich stand Gabriela aber aufgewühlt an der Wohnungstür und ließ ihre Stirn ein ums andere Mal leise, aber schmerzhaft ...
    ... gegen das Holz des Türrahmens pochen. Was sollte sie tun? Sie hatte sich von diesem Mann vor drei Jahren getrennt und klargestellt, daß sie ihn nicht mehr zu sehen wünsche. Und nun stand er vor der Tür und mit wenigen Worten war alles wieder wie früher. Nur zu gut wußte sie, was er wollte; und daß er wußte, daß sie es auch wollte.
    
    „Du Scheusal", entfuhr es ihr halblaut. Ihre Augen blickten ins Leere. Sie spürte eine Gänsehaut ihre Arme hochkriechen.
    
    „Alles in Ordnung, Mami? Wer war das?", hörte sie ihre Tochter fragen. Anna-Lena lugte vorsichtig aus ihrem Zimmer.
    
    „Was? Ja, Lena-Schatz. Alles ist bestens. Das war ein Freund, der mit mir ein Glas Wein trinken möchte."
    
    „Ok. Ich kuck dann den Tierfilm im Fernsehen."
    
    „Und dann machst Du Dich bettfertig."
    
    „Ja, Mami."
    
    Gabriela hastete ins Schlafzimmer und stellte sich vor den Spiegelschrank. Prüfend blickte sie ihr Spiegelbild an. Nach Feierabend hatte sie sich noch nicht umgezogen. Sie trug immer noch den Business-Dress. Der war allerdings unpassend für ihr Treffen. Schnell schlüpfte sie heraus und holte aus einer Schublade die passende Kleidung.
    
    Langsam schritt sie Stufe für Stufe durchs Treppenhaus. Er wartete sehnsüchtig, daß er den ersten Blick auf sie werfen konnte. Da sah er den ersten Fuß, den zweiten. Er frohlockte. Sie trug ihre schwarzen Lackschuhe, die mit den Riemchen. Wie sie kleine Mädchen trugen früher, wenn sie für den Verwandtenbesuch herausgeputzt waren. Dazu trug sie weiße Kniestrümpfe. Mehr ...
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