1. Die Geburt der Odaliske


    Datum: 27.07.2022, Kategorien: Nicht festgelegt,

    Zusammen mit meiner Freundin Katja wurde ich losgeschickt, um Holz zu sammeln. Der Schnee war so zusammengefroren, dass wir nicht allzu tief einsanken und gut gehen konnten. Im Winter Holz sammeln müssen, das mussten nur wir. Im Dorf galten unsere Familien als die Habenichtse, diejenigen, die nur wenig Holz im Sommer schlagen konnten. Wir verheizten, was die anderen übriggelassen hatten oder was die Winterstürme heruntergerissen hatten. Dabei träumten wir, wie es wäre, wenn wir reich wären, so reich, dass wir ein Pferd hätten und nicht unsere Kuh den Pflug ziehen müsste. Neben der Kuh hatten wir noch einige Ziegen und was der Wald so hergibt an Holz oder auch kleines Wild.
    
    Plötzlich hörte ich das Geräusch eines krachenden Astes hinter uns. Angst kroch mir den Nacken hoch; was war das? Das Geräusch kann von hinter uns. Ich erstarrte in meiner Bewegung. Nur mit Mühe konnte ich nach hinten blicken. Da sah ich ihn. Groß und stark! Ein riesiger Bär. Also wahrscheinlich ein Bärenmann. Meine Freundin Katja war genau so regungslos wie ich. Der Bär sah uns an, wie wenn er uns einen Segen oder Schutz mitgeben wollte, wie er sich aufstellte und seine Vorderfüße, wie der Priester seine Arme, ausbreitete. Dann ließ er sich wieder runter und trabte davon. Wir beiden Mädchen blieben ratlos zurück.
    
    Still gingen wir weiter in den Wald hinein. Jede war mit dem Bären beschäftigt. Dann brach Katja das Schweigen: „Meinst du das war der Geist der Taiga, der uns besuchte?"
    
    „Lass das ja ...
    ... nicht den Popen hören! Es gibt doch keine Geister!"
    
    „Aber hast du nicht gespürt, dass das was besonderes war, dieser Bär, wie der so dastand. Ich war der Ansicht, dass er mir ins Herz geblickt hat."
    
    „Keine Ahnung, so nah habe ich noch keinen Bären gesehen. So sehr viel konnte ich da nicht denken, außer dass ich nicht von ihm gefressen werden wollte."
    
    „Bären fressen keine Mädchen, schon gar keine so magere wie uns beide."
    
    Wir waren an der Stelle angekommen, welche wir ausgesucht hatten, um dort Holz zu sammeln. Wir hatten je eine Kiepe dabei, um die Äste und Zweige nach Hause transportieren zu können. Rasch hatten wir beide Kiepen zur Hälfte geladen, als ich wieder ein Knacken hörte. Schon wieder ein Bär? fragte ich mich. Ach, dass es so gewesen wäre.
    
    Es waren vier Männer, keine Riesen, eher kleiner und wahrscheinlich erfahrene Krieger. Sie wollten wohl auch Holz sammeln und waren dabei auf uns gestoßen. Als wir sie entdeckten, waren sie uns schon viel zu nah. Die Kiepe hatte ich schnell abgeworfen und wollte eine alte Tanne hochsteigen. Zwei der Tataren folgten mir auf den Baum. Sie kletterten schneller als ich, obwohl ich um mein Leben kletterte. Bald hatte mich einer der Männer erreicht und bekam mich am Fuß zu fassen. Dann stieg er weiter hoch, so dass er gemeinsam mit mir auf dem gleichen Ast stand. Er legte seine Hand auf meine und zwang mich so zu heruntersteigen. Wenn ich mit den Beinen nicht wollte, so gab er ihnen einen leichten Schubs, dass ich den Halt ...
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