1. Die Geburt der Odaliske


    Datum: 27.07.2022, Kategorien: Nicht festgelegt,

    ... andere und sorgt gut für die euch anbefohlenen. Findet eure Freude an der Krankenpflege. Denkt daran, dass das Glück nicht nur im Schoße eines Mannes liegen muss. Obwohl, so schlecht ist es zwischen den Schenkeln eines Mannes auch nicht. Werdet wenn nicht glücklich, so doch froh und zufrieden! Lasst uns das schnell machen. Ich mag keine Tränen." Mit diesen Worten war sie schon draußen.
    
    In dieser Nacht träumte ich wieder von dem Bären. Er war mir im Traum nähergekommen und ich fühlte mich dadurch getröstet. Es war mir als würde er mich bewachen. „Ich bleibe bei dir!" versprach er mir. Ich erzählte Katja davon und sie bestätigte mir diesen Traum. Der Bär wachte also über uns beide. Das brachte mir mehr innere Stärke für unsere weitere Reise.
    
    Reise war das richtige Stichwort. Am nächsten Morgen kamen, nach dem Frühstück, Männer in unseren Schulraum. Sie hatten Kapuzenkittel auf ihrem Arm. Ich war innerlich so weit, dass ich es aushalten konnte, nackt in einem Raum mit Männern zu sein. Jeder wurde ein solches Gewand gereicht, welches wir uns überzogen. Es war seltsam wieder Stoff auf meiner Haut zu spüren. Ich hätte nie geglaubt, dass ich sowas mal sagen würde. Unsere Kettchen steckten wir durch ein Loch an der Vorderseite des Gewandes. Die Kette wurde an unserer Vorgängerin festgemacht. Es entstand eine Kette von Sklavinnen, welche nur noch sehr schlecht sehen konnten, durch den Gesichtsschleier bedingt.
    
    Uns wurde gesagt, dass wir eingeschifft werden und so nach ...
    ... Istanbul gebracht würden. Wir wurden durch die Straßen des kleinen Ortes zum Hafen geführt und gingen so an Bord. Die Seereise begann zunächst mit vielem Erbrechen. Das war eine erste kleine Bewährungsprobe für uns neuen Krankenpflegerinnen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal zu See fahren würde und dort sogar tätig sein würde. Doch die Phase der Seekrankheit ging vorüber und alle gewöhnten sich an das Schaukeln des Schiffes. Wir setzten uns zusammen, mit den jeweiligen Freundinnen und hatten natürlich ein großes Thema: Was wird uns erwarten. Wie sollten wir an unsere Wirkungsorte gelangen.
    
    „Mademoiselle Adele hat doch mal gesagt, dass Säckchen von Geld den Besitzer wechseln würden. Das bedeutet doch, dass wir verkauft werden?"
    
    „Verkauft werden, so richtig versteigert werden, so wie ein Stück Vieh? Das will ich nicht."
    
    „Ich glaube kaum, dass du da gefragt wirst, Aljana."
    
    „Darum will ich das trotzdem nicht erleben müssen."
    
    „Wir sind doch Krankenpflegerinnen. Ich glaube nicht, dass wir nackt versteigert werden."
    
    „Unsere Ausbildung muss doch einen Wert haben. Ich will nicht, wie die Beischläferin eines Scheichs, behandelt werden."
    
    „Denk an deinen Bären! Er wacht über dich, über uns."
    
    Solche Gespräche waren täglich hier und dort zu hören. Mal siegte die Erwartung über unsere neue Aufgabe und Erprobung unseren Kenntnissen, das andere Mal siegte die Besorgnis über die kommende Versteigerung. Dass dieser Verkauf stattfinden würde, das galt als sicher. Wir ...
«12...8910...28»