1. Doro 08: Verdiente Strafe


    Datum: 08.08.2022, Kategorien: Nicht festgelegt,

    Madame Séverine stand mehrere Stufen über Doro auf der Veranda des Herrenhauses. Für die junge Frau, die zu ihr aufsah, wirkte sie entrückt und übernatürlich, wie eine Göttin. Die hochstehende Sonne, die ihr ins Gesicht schien, ließ Doro blinzeln.
    
    Die ausdrucklose Miene der Hausherrin. Ihre aufrechte Haltung mit steter Körperspannung. Die nüchterne, makellose, eine schlichte Eleganz ausstrahlende, hochgeschlossene Kleidung. Alles an ihr brachte zum Ausdruck, dass nichts und niemand ihr etwas anhaben konnte. Mit kurzen Sätzen und knappen Gesten hielt sie ihre Umgebung unter Kontrolle.
    
    Doro, die eben erst einer angsterregenden, demütigenden Haftstrafe und ungewissen Zukunft entkommen war, konnte nur hoffen, irgendwann ebenso unnahbar und selbstbewusst werden zu können. Madame Séverine wurde von der ersten Sekunde an, in der sie ihr begegnet war, zu ihrem Idol und erstrebenswerten Vorbild. Als die Ältere ihr einladend eine offene Hand entgegenstreckte, konnte sie das Glücksgefühlt, das sie überkam, kaum fassen. Beinahe erschien es ihr wie ein Sakrileg, die Lichterscheinung über ihr berühren zu wollen. Sie zögerte.
    
    „Kommen Sie, Fräulein Höker."
    
    Das Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie die kurze Treppe zur Veranda hinaufstieg. Sie meinte, nach Hause zu kommen. Der Schatten des Vordachs legte sich wie ein Schutzmantel um sie, der sie vor allem Unbill der gefährlichen Welt dort draußen bewahrte. Gleichzeitig fröstelte sie, als sie aus der heißen Sonne auf die relative ...
    ... Kühle der geschützten Veranda trat.
    
    Angesichts der eleganten Dame fühlte sich Doro schrecklich unangemessen gekleidet in ihrem dünnen, zerknitterten, verschwitzten und außerdem peinlich befleckten Kleid. Ihre Knie wollten nachgeben, als sie sich zurückerinnerte, was ihr alleine an diesem einen Tag widerfahren war. Zwei Männer hatten sich ihr aufgezwungen und Ihre Spuren an ihrem Körper hinterlassen. Und auch wenn ihre Gastgeberin sich nichts anmerken ließ und keine Bemerkung in ihre Richtung machte, konnte sich Doro des Eindrucks nicht erwehren, dass sie sehr wohl wusste, was geschehen war. Vor Scham wollte sie in den Boden sinken.
    
    Dass die selbstbewusste Madame Séverine zulassen würde, von jemandem ausgenutzt zu werden, so wie es ihrem Gast zugestoßen war, war schlichtweg undenkbar. Oh wie gerne wäre Doro so stark und aufrecht wie sie. Insbesondere lag es außerhalb jeglicher Vorstellungskraft, dass die kultivierte Dame ohne Unterwäsche zu tragen in die Öffentlichkeit gehen würde. Doros halblanges, leichtes Sommerkleid umspielte locker ihre Beine und kleidete sie insoweit züchtig. Dennoch kam sie sich geradezu nackt vor und verspürte den Drang, sich für das unschickliche Auftreten entschuldigen zu wollen.
    
    Doch dazu kam es nicht, Séverines Worte rissen sie aus ihren Gedanken.
    
    „Dies ist Janine. Sie wird Ihnen ihr Zimmer zeigen."
    
    Überrascht stellte Doro erst nach diesem Hinweis fest, dass eine zweite Person im Halbdunkel der Veranda gewartet hatte, die sie bisher ...
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