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Doro 08: Verdiente Strafe
Datum: 08.08.2022, Kategorien: Nicht festgelegt,
... nicht wahrgenommen hatte. Es war eine junge, zierliche Frau, auf den ersten Blick kaum älter als Doro selbst, die ein beinahe schmerzlich klischeehaftes Zofenkleid trug. Das bemerkenswerte Kleidungsstück war aus mattem schwarzem Stoff gefertigt, der am V-förmigen Ausschnitt und den kurzen Puffärmelchen mit weißen Spitzen-Bordüren gefasst war. Der Rocksaum endete so knapp unterhalb der Hüfte, dass die langen, schlanken Beine gänzlich unbedeckt blieben. Darüber war ein gestärktes, rein weißes, nur der Dekoration dienendes Schürzchen gebunden. Eine winzige schneeweiße Haube aus Spitze saß auf ihrem kurzgeschnittenen, schwarzen Bubikopf. Ihr milchiger Teint wurde kontrastiert von anthrazitfarbenem Lidschatten, der die niedergeschlagenen Augen betonte, sowie von einem extrem dunklen, sparsam aufgetragenen Lippenstift. „Hallo, Janine. Ich bin Dorothea. Freut mich, dich kennenzulernen", presste Doro mit leiser Stimme hervor. Sie verkrampfte ihre Fäuste links und rechts im Kleid, weil sie nicht wusste, wie sie mit dieser ungewohnten Situation umgehen sollte. Normalerweise würde sie offen und freundschaftlich auf eine Gleichaltrige zugehen. Doch unter der aufmerksamen Beobachtung durch Madame Séverine war sie völlig verunsichert. Sie vermutete, dass es in diesem Haushalt ein komplexes Geflecht von Hierarchien und Konventionen gab, die sie noch nicht verstand, aber auf keinen Fall verletzten durfte. Sie hatte keine Ahnung, auf welcher Ebene der Hierarchie sie sich als frisch ...
... eingetroffener Gast bewegte. Aber die Vermutung lag nahe, dass sie sich nicht mit einer Hausangestellten gemein machen durfte. Die Zofe knickste und machte eine einladende Geste in Richtung des Hauseingangs. Falls sie erahnte, was hinter dem zögerlichen Auftreten des Neuankömmlings steckte und welche Gedanken hinter deren Stirn abliefen, ließ sie sich nichts davon anmerken. Doro sah zu Madame, die bestätigend nickte, dann trat sie durch den Türrahmen. Nachdem Gast und Bedienstete ins Haus gegangen waren und die schwere Tür hinter sich geschlossen hatten, stieg Séverine die Treppen hinab und umrundete das Gebäude auf dem Weg, den das Fahrzeug genommen hatte. * Thomas hatte den Wagen in die Garage gefahren, wobei dieses schlichte Wort nicht annähernd den Dimensionen der Konstruktion gerecht wurde. Wagenhalle wäre wohl zutreffender für die Remise, in der vor der Erfindung des Automobils die Kutschen und Pferde des Anwesens untergebracht gewesen waren. Umfassende Umbauten hatten einen Ort geschaffen, in dem man nicht nur einen ganzen Fuhrpark unterbringen konnte. Mit Werkzeugen aller Art, die ordentlich an designierten Plätzen an der Wand aufgehängt waren, Arbeitsgruben und zwei Hebebühnen waren alle Vorrichtungen vorhanden, um die Kraftfahrzeuge auch warten und reparieren zu können. Der Geruch von Öl, Kraftstoffen, Polierwachs und Gummiabrieb hing unauslöschlich in der Luft. Der Chauffeur stellte den Motor ab und stieg aus dem Auto. Eilig zog er seine Jacke über das ...