1. Die Versteigerung der Amelie 03


    Datum: 09.09.2022, Kategorien: Nicht festgelegt,

    ... nähern, trat er vor den Tisch. Seine beiden Begleiter betraten ebenfalls die Hütte, schlossen hinter sich die Tür und versperrten den Fluchtweg.
    
    „Was ... was willst du hier ...?", würgte Hanna hervor und starrte den Zuhälter an.
    
    „Was ist das für eine bescheuerte Frage?!" Es klang böse. „Dich will ich, was sonst! Wir haben eine Vereinbarung! Schon vergessen?"
    
    „Marvin ... bitte ...", stammelte Hanna.
    
    Ich blickte die Schwarzhaarige neugierig an. Was für eine Vereinbarung? Hanna war doch Studentin und jobbte bei einer Begleitagentur.
    
    „Du hast selbst im Internet inseriert und dich mit Kunden getroffen. Wo ist mein Anteil?"
    
    „Äh ..."
    
    „Außerdem hast du Kunden von mir vermittelt bekommen! Willst du mich betrügen, Hanna?"
    
    „Ich ... äh, nein ..."
    
    „Warum inserierst du dann selbst?"
    
    „Ich habe beschlossen, künftig allein zu arbeiten. Ich brauche keinen Zuhälter mehr", antwortete Hanna tapfer, erhob sich und blickte Marvin entschlossen in die Augen.
    
    Der Mann grinste fies, holte aus und schlug mit der flachen Hand in Hannas Gesicht. Die Schwarzhaarige stolperte nach hinten und fiel auf die Couch.
    
    In dieser Sekunde sprang Florian auf. Er schien Hanna verteidigen zu wollen. Ich wollte ihn noch bremsen, denn gegen drei trainierte Männer war er chancenlos. Aber ich reagierte zu langsam. So konnte ich wie in Zeitlupe beobachten, wie sich die geballte Faust des Zuhälters dem Gesicht von Florian näherte, seine Nase traf und zertrümmerte. Florian kippte schwer ...
    ... getroffen nach hinten und schien das Bewusstsein verloren zu haben. Das alles war in weniger als einer Sekunde geschehen.
    
    „Hände auf den Rücken fesseln", gab der Zuhälter eine kurze Anweisung.
    
    Die Begleiter stellten die mitgebrachten Rucksäcke auf den Boden und nahmen lange Kabelbinder hervor. Erneut schienen mein Denken und Handeln eingefroren zu sein. Was war los mit mir? Ich war doch sonst viel mutiger und reaktionsschneller. Bevor ich begriff was geschah, hatten die beiden Typen unsere Arme mit Kabelbindern auf den Rücken fixiert. Florian hatte die Augen halb geöffnet und stierte verstört die Männer an. Hanna blutete an der Oberlippe, verhielt sich jedoch völlig still. Julia zitterte am gesamten Körper, schien sich in einer Art Schockstarre zu befinden.
    
    Während der Fesselung konnte ich die beiden Begleiter genauer mustern. Der Dunkelhaarige hatte einen slavischen Kopf, könnte ein Russe sein. Er war breitschultrig, kompakt und muskulös. Die Art, wie er sich bewegte, ließ ihn wie einen Kampfsportler aussehen. Oder wie den Soldaten einer Spezialeinheit. Bekleidet war er mit einer schwarzen Jeans und einer hellbraunen Lederjacke. Er hatte kurzes, dunkles Kraushaar, eine platte Nase und kleine, weit auseinanderstehende Augen, in denen es tückisch funkelte.
    
    Der zweite Mann überragte den Schwarzhaarigen-Russen-Typen um gut einen halben Kopf, war aber nicht weniger athletisch und muskulös. Er hatte ein rundes, glattrasiertes Gesicht, das nicht gerade schön genannt werden ...
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