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Am Arsch der Welt
Datum: 10.11.2022, Kategorien: Erotische Verbindungen,
© 2022-2023 by bumsfidel "Schuldig", donnerte die Richterin. Sie versuchte es zumindest, doch mit ihrer Piepsstimme klang es eher belustigend. Obwohl das Urteil alles andere als zum Lachen war. Der Schuldspruch bedeutete lebenslänglich in einem der abgelegensten Winkel der Welt. Nach allem, was man wusste, war von dort noch nie jemand zurückgekommen. Und dabei hatte er noch nicht einmal jemanden ermordet. Serge hatte nur auf Twitter gefragt, ob es auf dieser Welt auch Staatsoberhäupter gibt, die des Denkens mächtig waren. Im Nachhinein warf er sich vor, selbst nicht nachgedacht zu haben. War doch klar, dass der Geheimdienst seine IP ausspionieren würde. Die Anklage lautete schlicht 'Verunglimpfung des Präsidenten' und darauf stand lebenslänglich. Also nicht auf dem Papier. Da stand fünf Jahre, aber den Gerüchten nach war das gleichbedeutend mit lebenslänglich. Und das mit neunzehn! Serge ahnte, was auf ihn zukommen würde. In U-Haft hatte man kaum von etwas anderem geredet, als über die Zustände dort. Ausschließlich Männer und kein Arsch würde lange Jungfrau bleiben. Mit etwas Glück könne man an Frostschutzmittel gelangen und damit eine gewisse fettende Wirkung erzeugen. Niemand hinterfragte diese Weisheit, doch Serge machte sich so seine Gedanken. Mangelnde Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort führten naturgemäß zu den wildesten Gerüchten. Dieses hier hörte sich noch am wahrscheinlichsten an. Er war weis Gott kein Schwächling, aber es gab eindeutig stärkere als er. ...
... Somit war nicht klar, ob er zu den Vergewaltigten oder zu den Vergewaltigern gehören würde. Vermutlich beides. Dreiviertel des Weges zu seinem Straflager hatte er hinter sich gebracht, dann hatte es einen fürchterlichen Ruck gegeben. Der kurze Zug sprang aus den Gleisen, die drei Waggons überschlugen sich mehrfach und rollten einen Abhang hinunter. Serge hatte Glück, wenn man es so nennen konnte, mit etlichen Prellungen davon gekommen zu sein. Er hatte sich gerade zwischen zwei Waggons befunden, die auseinanderbrachen und ihn abwarfen wie ein scheuendes Pferd. Er kullerte ein paar Meter, bis er an einem Baum halb taub und total benommen hängenblieb. In der stockfinsteren Nacht hörte er vereinzeltes Stöhnen und verzweifelte Schreie, doch wie sollte er helfen? Im leichten Nieselregen traute er sich nicht auch nur einen Schritt zu tun, ohne das Gelände zu kennen. Wie leicht hätte er abstürzen können oder sich sonst wie den Hals brechen. Bis zur Morgendämmerung waren die meisten Schreie der Mitreisenden verstummt. Bis auf eine kaum vernehmbare, die aus einem Berg von Koffern um Hilfe rief. Mit schmerzenden Knochen machte sich Serge auf den Weg nach der Stimme zu suchen. So wie es aussah, waren sie und er die einzigen Überlebenden, aber er würde sich das noch genauer ansehen, wenn er diesen verdammten Kofferberg erst einmal zur Seite geschafft hatte. Eine Stunde später war es so weit. Inzwischen hatte der Regen nachgelassen und die Sonne versuchte die Luft etwas anzuwärmen. ...