1. Erziehung zur Dienstbarkeit


    Datum: 04.01.2023, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    ... wieder mit dem halb lauernden, halb belustigten Blick an, der ihm schon beim ersten Mal das Gefühl gegeben hatte, nichts als ein Kaninchen zu sein. Doch dieses Mal wollte sich Georg nicht so schnell überrumpeln lassen. Außerdem sträubten sich bei ihm schon bei dem Wort Dienstbarkeit alle Nackenhaare, so dass er für einen Moment seine natürliche Zurückhaltung vergaß.
    
    „Sie wissen, ich bin dankbar für diese Anstellung, die bekanntermaßen auf Ihr und der Gräfin Wohlwollen zurückgeht. Aber Sie können nicht verlangen, dass ich so mir nichts dir nichts meine heiligsten Ideale verrate, mich über Nacht in ein willfähriges Instrument der Adelsherrschaft verwandle. Im Andenken meines Vaters und als Mann der Wissenschaft sind mir solche mittelalterlichen Verhältnisse der Untertänigkeit zuwider. Gewiss können Sie über meine Arbeitskraft gebieten und sich auch meiner beruflichen Loyalität sicher sein. Aber mich irgendeiner Form der Dienstbarkeit zu unterwerfen, lehne ich ab. Ich bekenne es frei heraus: Als Republikaner und Patriot fühle ich mich einzig dem Vaterlande zum Dienst verpflichtet!"
    
    „Aber Herr Herwig, so beruhigen Sie sich doch", unterbrach die Direktorin Georgs Ausbruch. „Ich versichere Ihnen es geht um etwas gänzlich anderes. Etwas viel Persönlicheres... Aber das wird Ihnen am besten Fräulein Robinson selbst erklären. Sie hat darauf bestanden, Ihre Erziehung zu übernehmen."
    
    Georg erwachte wie aus einem Traum, in dem er Bier und Tabak gerochen und die zustimmenden Rufe ...
    ... seiner Verbindungsgenossen gehört hatte. War grade Marys Namen gefallen? Mit der jungen Lehrerin verband ihn die ungewöhnliche Geschichte seiner Anstellung. Sein Herzschlag beschleunigte sich. In den letzten Wochen hatte er wenig Gelegenheit gehabt, sie zu sehen geschweige denn ein vertrauliches Gespräch mit ihr zu führen. Seine Tage waren angefüllt gewesen mit Antrittsbesuchen, Lehrplanbesprechungen, Besoldungsverhandlungen, Schlüsselübergaben, Treuegelöbniszeremonien &c. &c. &c. So blieb ihm nichts anderes übrig, als vielsagende Blicke mit ihr über die Mittagstafel zu tauschen, an der sich die Lehrer täglich zum gemeinsamen Mahl versammelten.
    
    Deshalb beeilte er sich jetzt, der Direktorin zu folgen, als sie die Verbindungstür des Direktionszimmers zum sogenannten Kleinen Salon öffnete. Dort empfing sie gerne höhergestellte Gäste, meist Eltern zukünftiger Schülerinnen, denen sie schmeicheln oder imponieren wollte. Im Gegensatz zum schlichten Stil der übrigen Schule war der Salon ein weiß getäfelter Raum, der mit Bildern, Teppichen und eleganten Möbeln, wie Georg sie schon bei seinem Besuch im Schloss gesehen hatte, eingerichtet war.
    
    Miss Robinson, die auf der Kante einer meergrünen Chaiselongue saß, sah darin in ihrer hochgeschlossenen schwarzen Gouvernanten-Uniform und den streng zurückgescheitelten, roten Haaren seltsam deplatziert aus. Sie erhob sich, als die Direktorin Georg in den Salon schob selbst aber in der Tür stehenblieb.
    
    „Ich übergebe Ihnen den Zögling, ...
«1234...21»