1. „Die Kunst braucht mehr nackte Männer!“ - von einem Multitalent, das auszog, um ausgezogen zu werden


    Datum: 18.01.2023, Kategorien: Kunst,

    ... splitternackte Vorderseite sehen konnten. Danach umfasste Julia meinen Oberkörper, zog ihn leicht nach hinten, legte ihren Kopf auf meine rechte Schulter und nahm mit einem strahlenden Lächeln den frenetischen Applaus des Publikums entgegen. Wir blieben so stehen, bis die Musik zu Ende war, also noch etwa eine halbe Minute - oder gefühlt eine halbe Ewigkeit: die spärlich bekleidete Tänzerin und ihr unbekleideter Bühnenpartner. Julia trat neben mich und verbeugte sich, dann deutete sie mit der Hand gönnerhaft auf mich, legte mir die Hand auf die Schulter, und wir verbeugten uns beide. Es gab kräftigen und langen Applaus, und ich müsste lügen, wenn ich abstreiten würde, ihn genossen zu haben. Gut, meine Leistung hatte einzig und allein darin bestanden, mich ausziehen und fesseln zu lassen, aber Profi, der ich bin, habe ich brav und tapfer mitgespielt. Bis zum Ende. Dazu gehört auch was!
    
    Allerdings war das jetzt immer noch nicht das Ende. Denn nun führte Julia mich auf meinen Platz am Tisch und drückte mich in den Stuhl; gleichzeitig zog sie meine immer noch gefesselten Hände hinter die Stuhllehne. Danach sammelte sie ihre über den Boden verstreuten Kleider auf und verabschiedete sich mit einer weiteren graziösen Verbeugung von der Geburtstagsgesellschaft.
    
    „Eine wunderbare Tänzerin“, schwärmte die zauberhafte, ältere Dame am Tisch.
    
    „Finde ich auch“, sagte ich. „Und auch immer für eine Überraschung gut. Wären Sie vielleicht so freundlich, den Herrn dort drüben zu ...
    ... bitten, mir die Handschellen abzunehmen?“
    
    „Aber warum denn so eilig?“, mischte sich eine mollige Mitdreißigerin ein. „Die Handschellen stehen Ihnen ausgezeichnet.“
    
    „Aber Sie sind beim Essen und Trinken eher hinderlich.“
    
    „Wenn es nur das ist ...“, meinte die mollige Frau, griff sich meine Gabel, machte sich an meinem Kuchen zu schaffen und schob mir einen Bissen in den Mund.
    
    Auch andere Tischgenossinnen und -genossen zeigten sich fürsorglich, und so wurde ich mit Kaffee, Kuchen und später auch mit warmem Essen und diversen Getränken versorgt. Im Grunde waren alle sehr nett zu mir – manche sogar so nett, dass mir eine Hand auf den Oberschenkel legten oder über den Oberkörper streichelten, aber was soll´s? -, und so machte ich halt weiterhin gute Miene zum nicht mal so bösen Spiel. Schließlich schienen alle zu glauben, ich hätte im Vorfeld gewusst, was mich erwartet.
    
    Nach dem Dessert kam dann doch noch der Mann mit den Handschellenschlüsseln zu mir. Bevor er mich befreite, zogen er und ein anderer männlicher Gast mich aus dem Stuhl und legten mich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden. Das Geburtstagskind wurde aufgefordert, sich ganz nah vor meinen Kopf zu stellen. Und schon nachdem ich der Frau vierzig Küsse – also für jedes Lebensjahr einen - auf die roten Pumps gedrückt hatte, war ich ein freier Mann. Ich schnappte mir meine Kleider, bedankte mich artig für Speis´ und Trank und verließ den Raum. Einzelne „Zugabe“-Rufe überhörte ich. Stattdessen sah ich zu, dass ...